ig äj; \v-ä •&. #, m,M £MS sISfi HO' ^ä? a& *& 'X^scf S^*:- ''^«3 fö£» ;, o> •.*~*v ■.*£!?! :^->>:Wj Cilmtru of % UJuscum OF COMPARATIVE ZOÖLOGY, AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. jFounttrlj bn prfbiilc sutiscrfptfon, fn 1861. The gift of xJfub UtMM^cAyo^CL' No. SjJJL 9 £ & oi. Jv-fc, v /?$/ Sitzungs- Berichte der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin im Jahre 1866 Nebst Register. Beigefügt ist ein Register für die in den ßerl. Vossischen und Spenerschen Zeitungen abgedruckten Mittheilungen der Gesellschaft aus den Jahren 1839-1859. Berlin in der Nicolai'schen Buchhandlung. Sv '1867. Akademische Buchdruckerei. Inhalt 1866. Ascherson. Über Ambrosia maritima und Linaria juncea als neue Einwanderer in die deutsche Flora. März. — Lb. Senecio vernalis als eingewandert in die Prov. Brandenburg. Mai. — Lb. Antir.haris Endl. und Doralanlhera Benth. als gleich der Gattung Distemon Hemp. u. Ehrenb. — Lb. einen vom Candid. Hülsen gesam- melten Bastard von Ornithopus compressus und O. salivus und an- dere Fremdlinge. December. Beyrich. Über die den jetzigen lebenden Oberflächenverhältnissen angehörten Süfswassermuscheln unter dem neuesten Berl. Infu- sorienlager. November. Bonche. lber Wasser und Luft durchlassende Poren in langen Wur/.elstücken der Populus monilifera. — Lber die verschiedene Eutwicklungsart der Palmenstamme. Januar. — L b. den Pflanzen- schlaf bei Strephium, Pimelea und Melaleuca; üb. sich buchtig ent- wickelnde einfache Blattformen. December. Braun. Lb. die Steinfrucht von Cellis und deren kohlensauren Kalk- gehalt. Juli. — Lb. Isoeies lacustris in Schlesien. October. — ■ Lb. Schweinfurthia, eine neue Pllanzengattung der Scrophulariaceen. November. Dönitz. (b. eine Mifsbildung des Echinus sphaera, April. — lber einen heizbaren Objecttisch und das Verhalten der rothen Blut- körperchen bei erhöhter Temperatur. Juli. — Lb. eine besondere Vorrichtung der Fische (Teut/ijes), die Flossenstacheln aufrecht zu erhalten. November. Ehrenberg. Lb. eine Bestätigung der hervortretenden thierischen Bewegungsorgane bei Naviculis durch Hrn. Prof. M. Sc h ul tze. — Lb. zu erwartende Aufschlüsse der Berliner Baugrundverhältnisse bei der neuen Markthalle. Januar. — Wiederholtes Bedenken gegen die Zuverlässigkeit der mikroskopischen Untersuchung auf ♦ Trichinen. Januar (vgl. Decbr. 1S65). — Lb. Herrn J. Beissels Beob. verkicselter Bryozoen der Kreide bei Aachen. — Lb. Tricho- desmium erjr/ira'eum nach Weingeistexemplaren des Dr Kersten. — Lb. die Sclilammsubslanz ans dem Möwerluch auf dem Plane der Görlitzer Eisenbahn. Februar. — Lber die angeblichen gallertigen Feuermeteore. April. — Weitere Bemerk, über die sogenannten Sternschnuppen-Gallerten. — Lb. Prof. Heer's eingesandte Ge- treideproben aus den Pfahlbauten der Schweiz. Mai. — Lber das von der Cholera unabhängige Wiedererscheinen der blutigen Fär- bungen auf Brod und Speisen. — Vorlegen stark vergriifserter mikroskop. Photographien des Cap. Curtis aus Nord-Amerika, wie der Herren Neiff in Gent und Kellner in Berlin. Novbr. Foerster. Lb. den am 12. Mai d. J. plötzlich aufflammenden Stern zweiter Gröfse im Sternbild der Krone. Juni. — Lb. den reichen Sternschnuppenfall am 1.3. und 1 4. November. November. Gurlt. Über das Vorkommen von Gaslrus-Lutven im Magen des Hundes. Januar. — Von Doppel-Nieren eines Schweines. März. Hensel. Lb. die zwei Arten von Affen der bras. Provinz Rio grande do Sul und deren grofse Schädelverschiedenheit im Alter. Octo- ber. — Üb. die Schwierigkeit bei Aufstellung der Zahnformeln der Säugethiere. December. Hof mann. Lb. eine neue Methode zur Aufbewahrung von Fleisch in Paraffin. Januar. — Üb. die chemische Constitution der Anilin- farbestoffe. Juli. — Neue Beob. der Naphtylreihe, besonders der Naphtalinsäure. December. Jagor. Lb. Agalloche, das kostbare wohlriechende Holz der Aqui- laria agalfocha aus Hinterindien. — Lb. die Schleim absondernden Holzspäne des Pau-fa in China. — Lb. die Verbreitung der Cin- chonen in Amerika und Ostindien. März. Kersten. Üb. die Herausgabe der Reiscresultate des Barons C.von der Decken. — Üb. s. Aufenthalt auf der Insel Reunion. März. Lieberkühn. Üb. den Furchungsprocefs der Spongillen-Eier. Juli. Magnus. Legte grofse Steinsalz-Oktaeder auf Carnalit von Stafs- furt vor. October. vonMartens. Über eine neue Art Pteraster und Achatina fulica Ferrussac aus v. d. Decken's Sammlungen. Mai. — Über die Lbereinslimmung von Mus rattus und Mus Alexandnnus als ein und dieselbe Art. Juni. — l ber ein Zahnbruchstück des F.lephas primigenius aus Frankreich, mit Bedenken üb. die Gleichzeitigkeit des Mammnths mit dem Menschen. Juni. — Über ein spirales Gehäuse einer Insektenlarve, vielleicht einer Psyche aus von der D ecken's Sammlung. Juli. C. Müller. Statistische Vergleichung der norddeutschen und west- indischen Flora. Februar. Peters. Gehörorgan des Chiromys madagascariensis. Juni. — Über die Farbenbeständigkeit des Mus Alexandrinus und des M. rattus bei Berlin. Juni. Pritzel. Lber die Einführungszeit des Tabaks in Deutschland. — L b. die EinführUDgszeit des Buchweizens in Deutschland. Mai. Reichert. Üb. die Unsicherheit der mikroskopischen Untersuchung auf Trichinen. Januar. Sander. Üb. den gleichen Verlauf der Commismra cerebri anterior bei den Säu^ethieren und Menschen. November. Inhalt 1866. Schödler. Über eine neue Sammlung von Süfswasscr-Crustaceen aus Schweden durch den Freiherrn v. Cederström. Juli. Schultz. I her einen mit Aphis lanigera dicht besetzten frischen Apfelzweig. Juli. O. Schul tzen. Üb. seine und des Dr. Graebe Versuche über das Verhalten der aromatischen Korper im Organismus. April. Seh weinfurth. Üb. Crossoptcrix aus Abyssinicn, als afrikanische Fieberrinde, mit den von ihm gesammelten Exemplaren. October. Söchting. Üb. krystallisirte Hüttenerzeugnisse. April. — Lh den Bcssemerprocefs in der Hütte zu Horde bei Dortmund. Mai. — Vorleg. der neuesten Berichte der Commission lydromclrique von Prof. Fournet in Lyon. October. von Strampf. Üb. das Infusorienlager des Baugrundes der Natio- nalgallerie, als Fortsetzung desjenigen unter dem neuen Museum. October. Virchow. Über Trichinen. Januar. Zenker. Über die kontraktilen Blasen bei den Infusorien als \\ assergefäfse und über den Bau der Saug-Arme der Acineten. üecember. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 16. Januar 1866. Director Herr Geh. Rath Gurlt. Herr Gurlt eröffnete die Sitzung, auf der Tafel stan- den einige blühende Zweige der jetzt schon im Freien blü- henden Corylus Avellana. Hierauf sprach Herr Ehrenberg über die vorliegenden Bücher für die Bibliothek und legte die mit dem Register abgeschlossenen Sitzungsberichte des vorigen Jahres fertig vor. Derselbe legte darauf der Gesellschaft einen Separat- abdruck einer Abhandlung des Hrn. Prof. Max Schultze in Bonn aus dessen Archiv (1865) vor, welche ihm ohne Zu- schrift übersandt worden. Dieselbe handelt über die Struk- tur der Bacillarien als Pflanzen, ist aber entschieden geeig- net, den seit einem Menschenalter gegebenen Beweis zu bestätigen, dafs die Bacillarien wahre Thiere sind. Die durch den Nabel unterbrochene mittlere Längsspalte man- cher Naviculae im älteren Sinne, welche vom Vortragenden selbst später in viele Unterabtheilungen zerlegt worden sind, so wie das Zerfallen derselben beim Querschnitt nicht in zwei, sondern in vier Theile wurde schon 1830 in den Abhandl. d. Akad. p. 34 mitgetheilt, ausführliche Mittheilung über einen, bei einigen Formen aus der Spalte, bei anderen aus der Mitte des Körpers hervortretenden Fufses und des- sen Verhalten gegen Indigo -Trübungen im Wasser wurde 1838 in dem Werke „die Infusionsthiere" p. 178 und 520 mitgetheilt, die Ernährungsorgane sind 1838 (1837) in dem- selben Werke p. 242 angezeigt und abgebildet. Eine andere Form der Bewegungsorgane, als viele einziehbare seit- liche Fäden ohne mittlere Längsspalte der Schalen wurde bei Surirella Gernma in den Abhdl. der Akad. 1839 (vor 27 Jahren) pag. 104 mit folgender Bemerkung angezeigt: „Übrigens habe ich mich in neuerer Zeit überzeugt , dafs die Naviculae (also Naviculaceae) im Allgemeinen noch einen ansehnlich verschiedenen Bau haben, indem ich, so deutlich auch die 6 runden Schalen- Öffnungen bei vielen Arten so wie bei Navicula viridis vorhanden sind, doch bei einigen daneben noch klaffende Spalten und bei anderen, noch un- beschriebenen, nur klaffende Spalten ohne runde Offnungen erkannte. Diese vielleicht generischen, oder subgenerischen Verschiedenheiten werden Abweichungen im Urtheil ver- schiedener Beobachter erklären, welche aus verschiedenen Objekten etwa verschiedene Verhältnisse ermitteln sollten." Herr Prof. Max Schultze hat die Erläuterung der her- vorragenden Füfse durch Indigo-Trübung in diesem Aufsatze Herrn v. Siebold statt mir zugeschrieben, verwirft den [1866] Ausdruck Fufs und nennt den hervorragenden Theil ein an der Raphe zu Tage tretendes Protoplasma der einzelligen Bacillarien, ignorirt die nachgewiesenen vielen Nahrung auf- nehmenden Zellen dieser Körper und hält es nicht für un- möglich, dafs auch bei anderen Pflanzen Spalten mit Protoplasma Aus - und Einschiebungen vorkommen können, ohne dergleichen nachzuweisen. Das Interesse dieser Dar- stellungen scheint dem Vortragenden nicht darin zu liegen, dafs damit die Bacillarien als Pflanzen erwiesen wären, son- dern vielmehr darin, dafs endlich nach 28 Jahren ein wider- strebender Beobachter wieder die Füfse der Bacillarien und die Aufnahme von Nahrung gesehen hat, sie nur mit ande- ren Namen benennt, und läfst hoffen, dafs auch die hervor- tretenden Füfse der Surirella, wenn auch erst wieder nach 30 Jahren, von eifrigen Beobachtern bestätigt werden. Die im Jahre 1862 in den Abhandl. d. Akad. abgebildeten Prä- parate haben noch andere Erläuterungen bereits gegeben. Alsdann machte derselbe darauf aufmerksam, dafs die Stelle zwischen der Karlsstrafse und dem Schiffbauerdamm längs der Panke jetzt für den Unterbau einer grofsen Markt- halle aufgeschlossen sei, und dafs es daher von Neuem mög- lich sein werde, die interessanten Verhältnisse der im Jahre 1841 und 42 zuerst von ihm bekannt gemachten Infusorien- lager in eine wissenschaftliche Übersicht zu nehmen. Der Platz liege gerade gegenüber den Häusern Nr. 23, 23 a, 236 und 24 (jetzt Nr. 28, 29, 30 und 31) der Karlsstrafse, wo die Lagerungsverhältnisse der Infusorienschalen 1842 beson- ders merkwürdig wurden und wo in den Jahren 1853-54 der Wasserstrahl einer Pumpe durch ein Licht zufällig ent- zündet wurde, weil ein Wasserreservoir, in welches Trink- wasser von fern her zugeführt wurde, schadhaft geworden und beim Pumpen brennbare Luft aus dem Untergrunde aufnahm. Vielleicht erlauben die jetzigen Bauverhältnisse zu ermitteln, wie tief überall in jener Gegend der oft von Triebsand überlagerte Braunkohlensand als fester Boden liegt, da die früheren Beobachtungen nur beschrankte trichter- förmige Einsenkungen ergeben hatten. Herr Bouche legte ein etwa 1' langes 1" dickes Wurzelstück der Populus monilifera vor, welches zwischen den Gefäfsbündeln eine Menge sehr grofser Poren besafs, so dafs man Luft hindurch blasen oder Wasser dadurch in die Höhe ziehen konnte, er bemerkte dabei, dafs er diese Eigenschaft an anderen Pappelarten nicht beobachtet habe und 1 16. Januar 1866. sie mit zunehmendem Alter der Wurzeln verschwinde, wäh- rend die Porosität bei zweijährigen am bedeutendsten sei. Im Holze finde sich diese Eigenthihnlichkeit bei der Populus monilifera nicht. Ferner sprach derselbe über die verschiedene Entwicke- lungsart der Palmenstämme und legte zur Erläuterung meh- rere Arten von Palmensämlingen und eine ältere Pflanze der Sabal umbraculifera vor. Die Palmen entwickeln bei der Keimung einen bald längeren bald kürzeren Strang aus dem Samen, der sich abwärts neigt und die Plumula und Radikula in sich birgt, deren Trennungspunkt anfänglich, aber nicht immer, zu bemerken ist; erst nach einiger Zeit bildet sich eine Wulst an der Stelle wo sich das erste In- ternodium befindet, und an der die Plumula und Radikula ihren Ursprung haben, eine Entwicklung, wie sie sich bei vielen anderen monokotyledonischen Pflanzen findet. Bei der ferneren Kntwickelung aber bietet das Wachsthum zwei verschiedene Formen dar; die eine Form desselben, welche wir bei den meisten Palmenarten, z. 15. Phoenix, Orcoclo.ta, Livistono, Calamus, CaryotaChamaedorea, Oenocarpus u.s.w., finden, ist als die normale Bildung zu betrachten, indem sich der Stamm und Gipfel nach oben entwickelt. Die Radikula bleibt, wie bei den meisten monokotvledonischen Pflanzen, wenn sich an den Internodien, sobald sie durch das Absterben der den Stamm scheidenarlig umgebenden Wedelbasen freigelegt werden, Adventiv -VVurzeln bilden im Wachsthume zurück und verkümmert. Mit zunehmen- dem Wachsthume erscheinen die Adventiv -Wurzeln in gi'ö- fserer Zahl und werden nach und nach stärker; nach kür- zerer oder längerer Zeit bildet sich alsdann der wirkliche Stamm. Ganz anders aber verhält es sich mit dem Wachs- thume und der Stammbildung bei Sabal, Acrocomia, Diplo- themium, Aliolea, Sclietlea, Brohea und Maximiliana. Bei diesen und vorzugsweise bei Sabal wendet sich der Gipfel der Pflanze nach unten, die schcidenarligen Basen der We- delsliele bilden eine zwiebelartige Verdickung, aus der die etwas gekrümmten jungen Wedelchen wieder nach oben wachsen und über der Erde in normaler Form erscheinen. Der durch das Absterben von Wedeln sich bildende Stamm dringt allmählig tiefer in die Erde ein, oder wird auch wohl in die Höhe geschoben, so dafs er bisweilen mit seinem älteren, nach und nach verwachsenden Theilc wohl einen Fufs aus derselben hervorragt; die jüngeren Adventiv- Wur- zeln bilden sich daher scheinbar unter der Insertion der Radikula. Dieser sich nach oben hebende Stumpf erscheint oft schon im dritten Jahre über der Erde. In diesem Zu- stande des Wachsthumes verbleiben derartige Palmen so lange bis sich ihr wirklicher, mit dem Gipfel nach oben gerichteter Stamm bildet, oft eine lange Reihe von Jahren; eine im hiesigen botanischen Garten befindliche Sabal um- braculifera mochte wohl 4U Jahre alt sein als sich der nor- male Stamm zu bilden anfing, obgleich die Pflanze seit etwa 20 Jahren mit einem solchen versehen ist, so bemerkt man doch noch seitlich an der Basis den früher nach unten ge- richtet gewesenen, allmählig in die Hohe gehobenen Stumpf. Einige Jahre nach dem Erscheinen des wirklichen Stammes bilden sich auch an dessen Basis, wie bei anderen Palmen, zahlreiche Adventiv-W urzeln. Sehr auffallend ist es, dafs diese Abnormität nicht einer oder mehreren Abtheilungen der Familie der Palmen eigentümlich ist, sondern sich in verschiedenen, bald hei der einen bald bei der anderen Gat- tung vorfindet. Unter den Lcpidocaryinac und Borassinac habe ich diese Bildung nicht beobachtet, wohl aber bei den Arecinac an Keatia, den Coryphinae an Itralua, Sabal und Trithrinax, den Cocoinae an Acrocomia, Attalea, Scheelea, Diplothcrnium und Maximiliana, während sich die Stämme anderer dahin gehörender Gattungen normal entwickeln. Herr Virchow sprach über die Untersuchung auf Trichinen. Er bemerkte, dafs die Mittheilungen des Herrn Ehrenberg in der Sitzung vom 21. Decbr. v.J. mehrfach mifsverstanden zu sein scheinen und den entgegengesetzten Eindruck von dein hervorbrächten, was sie beabsichtigt hätten. Theoretisch erscheine die Schwierigkeit, ein Schwein auf Trichinen zu untersuchen, gröfscr, als sie sich in der Praxis ausweise. Überall gelänge es selbst mäfsig geüblen Per- sonen die Trichinen bei Schweinen zu finden. Von Apo- thekern habe er in letzter Zeit mehrfach solche Fälle zur Bestätigung erhallen. Auch Thierärzte erweisen sich an manchen Orten als ganz zuverlässig. So habe auf dem Gute Schwerinsberg ganz kürzlich unter 6 Schweinen, die. zugleich geschlachtet wurden, ein Thierarzt das einzige tri- chinische herausgefunden. Andererseits lasse es sich nicht leugnen, dafs In thümer vorgekommen seien und wahrschein- lich auch künftig vorkommen würden. Aber sie lassen sich doch schon jetzt auf ein kleines Maafs zurückführen. Denn es zeige sich mehr und mehr, dals gewisse Fleiscbtheile vorzugsweise von Trichinen eingenommen würden, während andere häufiger frei blieben. Die Vorderbeine und der B.ücken seien im Ganzen am wenigsten ausgesetzt, am meisten das Fleisch der Brust und des Kopfes. Man werde daher vorzugsweise dieses (Zwerchfell, Zwischcnrippenmus- keln, Kehlkopf, Augenmuskeln, Zunge, Kicfcrmuskeln) un- tersuchen müssen, und um der Sicherheit wegen auch die Schenkelmuskeln hinzunehmen. Ein geübter Untersucher könne, wenn er seine Instrumente in Bereitschaft hätte, eine solche Untersuchung in ganz kurzer Zeit anstellen. Aber freilich sei es nöthig, dafs die Behörde sich die Sicher- heit verschaffe, dafs die Untersucher wirklich geübte seien. Der Vortragende legte ferner frische Darmtrichinen vor, welche er bei dem letzten der in Hedersleben Ver- storbenen 11 Wochen nach dem Fleischgenufs noch in ge- schlechtlicher Thätigkeit, namentlich mit entwickelten Em- bryonen, gefunden hatte. Auch machte er die Mittheilung, dals er von Herrn Apotheker Werneberg in Schroalkalden das Fleisch eines Fuchses erhalten habe, welches voll von Trichinen ist. Die Zahl der Thiere, bei denen Trichinen natürlich vorkommen, ist daher jetzt nicht mehr ganz klein ; es sind das Schwein, die Katze, die Ratte, die Maus, der Igel und der Fuchs. Herr Reichert bemerkte dagegen, Herr Ehrenberg habe zu rechter Zeit auf die Schwierigkeiten der mikrosko- pischen Unter trichinenhaltigen Fleisches und auf pisenen Untersuchungen uiuiuEuuuugi die grolse Unsicherheit und Unzuverlässigkeit der negativen Ergebnisse hingewiesen. Wenn Herr Virchow behaupte, ein Schwein, bei welchem Trichinen in den Kaumuskeln, in der Zunge, im Zwerchfell und in einigen anderen Muskeln (die der Extremitäten ausgenommen) nicht vorhanden oder richtiger nicht gefunden seien, könne ohne weitere Bedenken 16. Januar 1866. dem Nahrungsverbrauch übergeben werden , so sei dies ein Ausspruch, der sich wissenschaftlich in keiner Weise be- gründen lasse und bei der praktischen Anwendung nach- theilige Folgen haben würde. Auch ein Schwein , das von den geübtesten Mikroskopikern längere Zeit erfolglos auf Trichinen untersucht sei, könne dessen unerachtet so viele Trichinen enthalten, dafs der ungeregelte Genufs desselben die Trichinenkrankheit herbeizuführen im Stande sei. Selbst- verständlich könne und dürfe Niemand die Erklärung ab- geben, das Schwein sei trichinenfrei; eine solche Erklärung oder auch nur ein Verfahren, welches ein solches Vorurtheil im Publicum verbreiten könnte, würde unter anderen sogar den nicht zu verantwortenden Nachtheil haben, dafs das Publicum es verabsäume, die einzigen sicheren Mittel, sich vor Trichinenkrankheit zu schützen, — das geeignete Ko- chen, Pökeln, Räuchern, — unter Umständen nicht in An- wendung zu bringen. Herr Ehrenberg bemerkte, dafs, da nach der Dar- stellung des Herrn Virchow seine Meinung hier und da mifsverstanden sein solle , dieses sich doch nur auf die von ihm angezeigte Unsicherheit der mikroskopischen Unter- suchung beziehe. Da Herr Virchow auch es für nöthig hält, dafs die Behörden sich eine Sicherheit verschaffen über die nöthige Zuverlässigkeit der untersuchenden Personen, so ist derselbe in diesem Punkte mit mir einverstanden. Ich möchte aber wohl noch Einiges hesonders hervorheben ; zuerst, dafs die zu untersuchenden Stellen des Schweines, so schätzenswerth auch die bisherigen Ermittelungen sind, doch noch keinerlei Sicherheit über den Ort geben , von dem aus sich die unfruchtbare Brut der Trichinen in so grofsen Verhältnissen zuerst verbreitet , dafs schon nach Leuckart's früherer Angabe und meiner eigenen Bestä- tigung sich in jedem Loth Fleisch zuweilen viele Tausende dieser kleinen, aber doch noch kaum des Mikroskopes be- dürfenden Würmer finden. Theoretisch scheint es annehm- bar, dafs die dem Munde (als Speiseaufnahme) und dem Darme (als Brutort) zunächst liegenden inneren Muskeln (Zunge, Zwerchfell) zuerst davon erfüllt werden mögen, weil nur im Darme fruchttragende Trichinen gefunden worden sind; thatsächlich schwanken noch die Ortsbestimmungen der Beobachter und es ist noch nicht festgestellt, wie die Ein- wanderungen in die Muskeln geschehen. Aufmerksam zu machen auf diese Verhältnisse scheint nicht unangemessen. Zweitens könnte es wohl scheinen, dafs die mikroskopische Untersuchung des Schweinefleisches unnöthig sei, sobald nur dringend empfohlen werde, das Fleisch gar zu kochen, gar zu braten , gar zu räuchern und gar zu pökeln , und dafs somit eine grofse Ausgabe für die mikroskopischen Fleisch- beschauer erspart werden könne. Mir will es scheinen, als ob diese Ersparnifs gefährlich werden könnte, gerade in unseren Tagen hat die Rinderpest in Aegypten und Eng- land durch Sorglosigkeit der Behörden und völlige Unthä- tigkeit der Privatleute einen erschreckenden Umfang gewon- nen, und es mag schwer genug halten, den wachsenden grofsen Verlusten Einhalt zu thun, während dies im Anfang der Seuche leicht in England, wie es bei uns geschehen, möglich gewesen wäre. Der Genufs des wurmkranken Schweinefleisches wird ohne Staatsaufsicht schwerlich zu hemmen sein, und somit wäre es wohl möglich, dafs die dadurch bedingten Todesfälle der Menschen ein pestartiges so kolossales Verhältnifs erhielten, wie das der Rinder in England, und es scheint wohl, dafs wir noch nicht am Ende der Epidemie sondern noch im Zunehmen derselben sind. Ich erinnere mich aus meiner Jugend, dafs es im elterlichen Hause ein plötzliches Hühnersterben gab , so dafs man, ich glaube 9 Hühner am Morgen todt im Hofe fand. Es wurde bekannt und arme Nachbarn, welche die Tags vorher schein- bar gesunden jetzt todten Hühner sahen, fanden das Fleisch so fest und geniefsbar, dafs sie es sich zum Genufs aneig- neten. So geht es häufig mit kranken Thieren, man schlach- tet sie kurz vor dem Sterben , und wenn nicht überall schwere Erkrankungen und Todesfälle vom Genufs des Fleisches erfolgt sind, so mögen leichtere vorübergehende Erkrankungen oft genug übersehen worden sein. Bei pest- artigen Krankheiten, gegen die man Quarantainen mit gro- fsen Kosten einrichtet, hat man oft genug diese Unkosten und Verkehrshemmungen verwerflich gefunden, weil sich gar keine materielle erfafsbare Grundlage der Krankheit erken- nen und unschädlich machen liefs. Bei der Wurm-Epidemie der Trichinen verhält sich das anders , hier kann man die Ursache einer tödlichen Seuche erkennen und in grofsen Verhältnissen abschneiden und zerstören, sobald man sie erkannt hat. Die Sorglosigkeit der grofsen Volksmassen und die gewöhnliche Nichtbeachtung dem blofsen Auge sicli entziehender kleiner Verhältnisse, welche mit Scherz und Laune leicht beseitigt werden, veranlassen, dafs ihre unheil- bringenden Folgen unbeachtet bleiben und erst, wenn das Unheil im vollen Gange ist, Schrecken und Angst sich ver- breiten. In diesen Fällen ist das Eintreten staatlicher Für- sorge gewils wohl begründet, man kann die Ursache solcher Seuchen wo nicht ganz beseitigen, doch sehr vermindern, und folglich die Zahl der Todesfälle und Siechthümer be- schränken. Sollte von einer Aufsichtsbehörde nur angerathen werden, alles Fleisch gar zu kochen und keine Schranke für das verkäufliche Fleisch gezogen werden, so dürfte voraus- sichtlich von den Wohlhabenderen der Genufs des Schweine- fleisches ganz vermieden werden, in Folge dessen würde unfehlbar das Schweinefleisch wohlfeiler werden und den ärmeren zahlreichsten Klassen des Volkes, wie bei den Gur- ken zur Cholera-Zeit, ein reichlicheres Material zur Ernäh- rung vorliegen und benutzt werden, die Folge der Benutzung würde voraussichtlich, wie das Essen des Gurkensalats zur Cholera-Zeit, die Krankheit unabsehbar verbreiten und dann noch gröfsere Opfer für ihre Beschränkung erfordern. Wendet man gleichzeitig mit der Warnung für das häus- liche Küchenwesen noch den Gebrauch des Mikroskops vom Staate verpflichteter Fleischbeschauer an, wozu sehr leicht zuverlässige Personen aus verschiedenen Ständen angelehrt werden können, welche Alles viel oder wenig von solchen Würmern inficirte Fleisch beseitigen, d. h. zur Seifenberei- tung und anderen ähnlichen Dingen bestimmen, so schneidet man damit den gröfsten Theil der Grundlage der Seuche ab. Das regelmäfsige Kochen und Braten des nicht als inficirt erkannten Fleisches wird noch einen wesentlichen Theil je- ner Grundlage zerstören, und so wird die Ausdehnung und der Einflufs der tödtlichen Epidemie sehr beschränkt werden. Dafs man für denjenigen Theil der Bevölkerung, welcher zum Garkochen Zeit und Feuermaterial zu sparen sich ver- 4 16. Januar 1866. anlafst sieht, durch öffentliche wohlfeile Garküchen eine Bevormundung einleitet, scheint mir angemessen, ein Zwang aber dürfte weder in den häuslichen noch in den öffentlichen Küchen ausführbar sein, wahrend eine Aufsicht für das Schlachten des Schlachtviehes bereits bestellt und eine noch speciellere Controlle, wenn auch mit Kosten, ausführbar ist. Es beschränkt sich diese Mafsregel in ihrem Nutzen nicht blofs auf die ärmeren Volksklassen , sondern auch auf die wohlhabenderen und reichsten. Gasthöfe und Gastereien aufser dem Hause sind nicht mehr zu umgehen, Schweine- zungen in Fricassee und Würsten sind viel benutzte beliebte Ingredienzen, welche von besseren Kennern der Küche noch zahlreicher werden genannt werden können. Ob die bisheri- gen öffentlichen Rathschläge und Warnungen ohne weiteres Eingreifen der Behörden genügen, wird jedenfalls der Fort- gang oder Stillstand der menschlichen Erkrankungen lehren. Herr Hofmann, an die Trichinenfrage anknüpfend, bemerkt, dafs in England die Verheerungen der Rinderpest noch immer fortdauerten. Es seien dieselben bis zu einer Höhe gestiegen, dafs man sich den ängstlichsten Besorg- nissen hingehe und bereits durchgreifende financielle Mafs- regeln berathe, welche in der diesjährigen Session vor das Parlament gebracht werden sollen. Es sei ferner eine ganze Reihe von neuen Methoden zur Aufbewahrung von Nahrungs- mitteln und zumal von Fleisch vorgeschlagen worden, und die Patentlisten bekunden, wie sich der englische Erfindungs- geist mit dieser brennenden Frage beschäftige. Ein ganz sinniges Verfahren Fleisch zu präserviren sei kürzlich von Dr. Redwood in London patentirt worden. Es bestehe darin, das Fleisch eine kurze Zeit lang in geschmolzenes, vollkommen geruch- und geschmackloses Paraffin — wie es eben in verbesserter Masse durch Destillation von Boghead cannel coal erhalten werde — einzutauchen. Beim Heraus- ziehen aus dem Paraffinbade sei das Fleisch mit einer dün- nen Schicht von Paraffin bedeckt , welche alsbald erhärte. Diese Schicht könne alsdann durch wiederholtes Eintauchen beliebig verdickt werden. Um so präparirtes Fleisch zuzu- bereiten, sei es nur nöthig, dasselbe in heifses Wasser zu legen, wodurch die Paraffinschicht sich ablöse und als Flüs- sigkeit auf die Oberfläche steige, um von dem Wasser ge- trennt von Neuem zum Aufbewahren von Fleisch verwendet zu werden. Nach den Erfahrungen von Dr. Redwood und Dr. Gueneau de Mussy lasse diese Aufbewahrungs- weise des Fleisches nichts zu wünschen übrig; auch werde der Geschmack des Fleisches in keinerlei Weise beeinträchtigt. Derselbe legte der Gesellschaft ein paraffin-umhülltes Hammels- Cotelette vor, welches ihm der Patentträger vor einigen Tagen in London eingehändigt hatte. Herr Gurlt machte eine kurze Mittheilung über das Vorkommen von Gasirus- Larven im Magen des Hundes. Es war ihm der Magen eines Hundes, den man für toll gehalten und getödtet hatte, übersandt worden, und in die- sem Magen fanden sich drei Oastrus- Larven , welche sich in die Häute eingebohrt hatten. Es blieb hierbei zweifel- haft, ob die Gasirus -Fliege ihre Eier an die Haare des Hundes abgesetzt, oder ob der Hund den Magen eines ge- storbenen Pferdes, in welchem sich die Gastrus-Larven schon vorfanden, verzehrt habe. Der Vortragende neigte sich zu der letzteren Annahme, indem bei Annahme des ersten Falles ein perverser Instinkt der Fliege, welche ihre Eier nur an die Haare der Pferde abzusetzen pflegt, supponirt wer- den müsse. Da der für toll gehaltene, lebende Hund von einem Sachverständigen nicht untersucht, daher die Tollwuth nicht festgestellt worden war, indem dies durch die Section allein mit Sicherheit nicht geschehen kann, so hielt es Herr Gurlt für möglich, dafs der Hund gar nicht wirklich toll gewesen sei, sondern dafs die Einbohrung der Gas/rus-Lar- ven in den sehr empfindlichen Magen des Hundes diesen zu einem ganz ungewöhnlichen Benehmen gebracht haben konnte. Er schlofs dies aus einem analogen Falle, wo nämlich die in den Stirnhöhlen und Siebbeinzellen vorkommenden Wür- mer (Pen/as/orna laenioides) die Schleimhaut so stark reizen, dafs manche damit behaftete Hunde sich wie tolle zeigen und wirklich schon für toll gehalten worden sind. Gedruckt iu der Druckerei der Konigl. Akademie der Wissenschaften. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 20. Februar 1866. Director Herr Geh. Rath Gurlt. Herr Gurlt eröffnete die Sitzung. Herr Ehrenberg übergab der Gesellschaft eine Schrift des Herrn Ignaz Beissel, auswärtigen Ehrenmitgliedes der Gesellschaft, ,,über die Bryozoen der Kreide von Aachen", und sprach über die künstliche Steinkernbildung durch Was- serglas, welche vom Verfasser erfunden und ihm zur Erläu- terung der fossilen Bryozoen gedient hatte, von denen er 30 Arten, darunter 14 von ihm neu benannte, verzeichnet. Der Vortragende machte wieder wie im Monatsberichte der Berl. Akad. d. W. von 1859 auf das mannigfache grofse Interesse aufmerksam, welche Herrn Beissels's Beobach- tungsmethode noch künftig in sich schliefse, besonders auf die Kieselsandbildungen aus sehr kleinen Kalkorganismen bis zur quarzsandartigen scharf doppelt lichtbrechenden Umge- staltung, auf die schon 1839 für Bryozoen (Monatsber. der Akad. p. 157) und 1855 für Polythalamien (AbhdI. d. Ak. p. 135) aufmerksam gemacht worden war. Derselbe legte dann nochmals die sauberen Präparate von künstlichen Stein- kernen in Polythalamien vor, welche Herr Beissel im J. 1859 ihm zugesandt hatte. Derselbe sprach hierauf über die rothen, gelben und grünen Streifungen des Oceans. Er legte zunächst von Herrn Dr. Kersten, dem Begleiter des hoffentlich seit- dem geretteten so glänzend verdienstvollen Herrn von der Decken bei dessen Besteigung des Kilimandjaro, eine kleine Meeresprobe vor. Dieselbe wurde von ihm auf seiner Rück- reise am 6. April 1865 westlich vom Cap der guten Hoff- nung einer im Atlantischen Ocean beobachteten rothen Meeresfärbung entnommen, die derselbe in einem Glas- röhrchen unter Cognac aufbewahrt mitgebracht hat, und welche die Schiffsmannschaft Fischroggen nannte. Der Vor- tragende bemerkte, dafs die Substanz ganz der von ihm im rothen Meere beobachteten , Trichodesmium erylhraeum ge- nannten , gleiche, einer bündeiförmigen, feinen Oscillarie. Dieselbe Substanz habe die ruhmvolle, wissenschaftliche [1866] österreichische Expedition der Novara aus den Gewässern des Süd- Oceans, aus der Nähe der Nicobai en Inseln und dem Chinesischen Meer 1861 zu seiner Kenntnifs gebracht, wo dieselbe unter dem Schiffer-Namen von Sägespänen in mehr gelblicher und grünlicher Färbung das Meer in vielen meilen- langen, zuweilen parallelen, Streifen erfülle. Ein Vorkom- men, welches wohl durch Wind- und Wellen-Richtung in der Art bedingt sein möge, wie Wolkenstreifen durch Wind- richtungen entstehen. Er selbst halte diese gelben Fär- bungen , weil er auch im rothen Meere grüne Formen unter den rothen beobachtet habe, für Jugendzustände, wie er in Pogg. Annal. 1830 p. 506 mitgetheilt habe. Grüne Färbungen solcher Meeresstreifungen im Atlantischen Ocean zwischen Teneriffa und Brasilien beobachtete zuerst Adalb. r . . a . 25. November v. Cnamisso im J. leuu am : — (siehe hhrbre. 7. Uecember ° Inf. Thierch. p. 122). Proben davon erhielt der Vortr. von ihm selbst, andere Proben derselben Substanz, aber von rother Färbung, erhielt er unter dem Namen von Wallfisch- saamen oder Verblutung eines Wallfisches vor etwa zehn Jahren aus dem Antille'schen Meere bei Venezuela. Die von demselben im J. 1829 in den Abhdl. d. Akad. d. W. und 1830 in Pogg. Annal. gegebenen Erklärungen des rothen erythräischen Meeres wurden 1844 durch Dr. Mon- tagne bestätigend erweitert, indem er die von Evenor Du- pont zwischen Kosseir und Tor beobachtete rothe Färbung nach dessen mitgebrachter Probe vergleichen konnte. Der- selbe sandte sowohl mir eine Probe der Dupont' sehen Masse, als er auch von mir auf sein Ansuchen eine Probe der meinigen erhielt und direkt vergleichen konnte. Er fand sowenig als ich einen wesentlichen Unterschied in den Fäden und Gliederungen. In den Annales des sciences na- turelles (1844 Ser. III T. II Zoologie) erwähnt Dr. Mon- tagne noch der Beobachtungen von Darwin im Atlant. Ocean bei Brasilien, bei Neu-Holland (Cap Leeuwin) und 20. Februar 1866. ganz besonders einer sehr auffallenden Erscheinung dieser Art, welche Dr. Tl im] s im Meerbusen von Californien im Febr. 1836 und bei San Salvador im April 1837 beobachtet hatte. Diese letztere Substanz sondert Dr. Montagne unter dem Namen Trichodesmium Wndsii von der Form des rothen Meeres ab, die er TV. Ehrenbergii statt ery- thraeum genannt, weil erstere einen sehr strengen, die Augen afficirenden, die Schiffsmannschaft belästigenden Ge- ruch und röthere Färbung gezeigt habe, von dem bei der Substanz im rothen Meere keine Rede gewesen. Da aber Dr. Montagne die mikroskopische Struktur der von ihm ebenfalls untersuchten Californischen Substanz für ganz gleich mit der des rothen Meeres erklärt und da der unausstehlich strenge Geruch allen Tang und Meeresgewächsen, wo sie gehäuft sind, nicht fehlt, namentlich auch an den Küsten des rothen Meeres auffallend genug war und nur als selbst- verständlich verschwiegen worden ist, so halte ich diese sämmtlichen Erscheinungen für einer und derselben Art von Organismen zugehörig, und sollte meinen, dafs nur der Name Trichodesm. erythraeum für die (jung) grünen, gelben (alt) rothen Formen dieser höchst ausgedehnten Erscheinung im System statthaft bleiben könne. Die grofse Anhäufung der Substanz zu intensiv blutigem Gewässer ist von Dr. Dinds angemerkt. Der Npme Sägespäne, welchen die Ma- trosen der gelblichen und grünen Erscheinung im Süd-Ocean zu geben pflegen, wird auf Cook's dritter Reise zuerst er- wähnt; ob Darvvin's Beobachtung bei den Keeling's Inseln derselben Erscheinung angehört, bleibt zweifelhaft, da eine ähnliche Färbung bei Brasilien nach v. Chamisso's mit- gebrachten Zeichnungen und Proben von mir für Myriaden einer Aslnsia zu halten waren die er als Paramecium oceani- i um in den Act. Leop. T. X 1820 abgebildet hat. Ein anderes Trichodesmium , das Tr. Flos aquae der Süfswasserteiche bei Berlin, welches ich 1830 benannte, ist von Farbe immer grün, niemals roth und neuerlich mit anderen Dingen verwechselt worden; so sind die Namen IAmnochlidt Flos aquae Kz. , Aphanizomenon Fl. aquae et ineurvum Morien 1839, Oscillaria Fl. aquae, Cnnferva Fl. aquae, Sphaerozyga Fl. aquae, die alle sich auf den Byssus Fl. aquae Linne beziehen, auch die neueste Auffassung von Raben borst 1865 in dem Werke „Flora europaea Al- garum", Part II pag. 195 angiebt. Das von mir 1830 be- zeichnete Trichodesmium Flos aquae, die Wasserblüthe der deutschen Gewässer, war sicher keine Sphaerozyga, ist aber unzweifelhaft eine der Formen , welche bisher in Deutsch- land unter dem Linne'schen Namen Byssus Flos aquae ver- standen worden sind. Die Fische tödtende Wasserblüthe Deutschlands, welche ebenfalls von grüner Farbe ist, Pal- mella (Coccodea) ichlhyoblabe Kunze, welche bei Leipzig und von mir auch bei Berlin öfter beobachtet wurde, fehlt auch in Raben borst' s Werke. Die anwesenden Mitglieder Herr Dr. Ja gor und Dr. v. Martens gaben Erläuterungen aus ihren eigenen Erfahrungen im Süd-Ocean, wo besonders der erstere dem Gegenstand eine speciellere Aufmerksamkeit zu- gewendet hatte. Er fand die Erscheinung in der Sunda Strafse und nach seiner Mittheilung „erscheinen die einzelnen ,,Partikelchen als zierlich verflochtene Fäden; jeder einzelne „Faden bestand aus einer Reihe von Zellen, deren Scheide- „ wände in der Mitte flach, nach den Enden hin gewölbter „werden, und an den Enden selbst halbkugelförmig waren. „Jede Zelle war aufserdem noch durch eine anscheinend „dünne, völlig flache Wand in der Mitte getheilt. Längs „der Mittellinie lagen feine grüne Kügelchen — anscheinend ,, Chlorophyll. Beim Filtriren röthete sich das Filtrura wie „von Jod". — Bemerkenswert!) schien noch, dafs die von Dr. K ersten ebenfalls in vielen meilenlangcn Streifen be- obachtete Form des Atlant. Süd-Oceans durch den Cognac nicht ihre röthlich braune Färbung verloren und die Gestalt auffallend schön erhalten hatte. Herr Ehrenberg bemerkte noch, dafs er im J. 1829 und 1830 den Namen des rothen Meeres mit seiner Beobach- tung erläutern zu können meinte, obschon verschiedene Deu- tungen der alten Bezeichnung des erythräischen Meeres zu verschiedenen Zeiten sich ausgesprochen hätten. Sehr zu- stimmend sei jetzt sowohl die immer mehr die Aufmerk- samkeit der Schiffenden in Anspruch nehmende Erscheinung und besonders der Umstand, dafs auch das Californische Purpur-Meer durch die Beobachtungen des Dr. Hinds und die Analyse des Dr. Montagne zu erkennen geben, dafs in ähnlicher Weise in dem dem arabischen vergleichbaren grofsen Meerbusen des stillen Meeres schon im 16. Jahr- hundert, wahrscheinlich 1532, davon seinen Namen erhalten, und es nahe genug liegt, dafs in beiden Fällen die auffal- lende Wasserfarbe den alten und neuen Schiffern imponirt habe. Die alten Karten von Californien, welche in dem Atlas der Monumenta saecularia boica publicirt worden sind, zeigen auf der 6ten und 12ten Karte den Namen Mar Bermeio bereits an. Im Uebrigen liegen jetzt zu dieser Be- urtheilung 4 Proben der Erscheinung aus dem Chinesischen Meer, 1 aus der Sunda Strafse, 2 aus dem rothen Meer, 1 aus dem südlichen Atlantischen Meer und 2 aus dem mitt- leren Atlantischen Meere vor; die Flocken dieser Proben haben eine Länge von 1 — 2'" und die einzelnen runden Fä- den im Mittel von jjjj"'- f-V Vi 92 bis "). Zellen 1 bis 3 mal breiter als lang. Hiernach sprach Herr Ehrenberg noch über die beim Bau der Eisenbahn nach Görlitz aus dem Möwerluch bei Klein -Bester bei Wusterhausen beim Aufschütten von un- 20. Februar 1866. geheuren immer verschwindenden Sandmassen für das Eisen- bahnplanum hervorgequollene Schlamm -Substanz, welche ihm durch Herrn Baumeister Orth zur Kenntnifs gebracht wurde. Es ist in diesem Falle kein Kieseiguhr, sondern eine mit heller Flamme brennende, stark mit kohlensaurem Kalk gemischte, dem Baggertorf ähnliche , im trocknen Zu- stand leichte und silbergraue Substanz, die bei wenigen Be- obachtungen keine Bacillarien zeigte. — Herr Carl Müller verglich die pflanzen -statistischen Angaben des einheimischen Gebiets unserer norddeutschen Flora, mit den pflanzenstatistischen Angaben, welche Pro- fessor Grisebach in der vor kurzem beendigten Flora des englischen Westindiens niedergelegt bat, um hierdurch nach- zuweisen, dafs der Reichthum unserer eigenen bescheidenen Flora der nördlichen gemäfsigten Zone doch nicht in allen Beziehungen von der Vegetationsfülle der westindischen Tropen überflügelt werde, ja sogar unsre norddeutsche Flora noch eine Menge interessante Formenkreise der höheren Phanerogamischen Gewächse besitze, die entweder den Tro- pen ganz fehlen, oder in ihnen nur eine höchst untergeord- nete Vertretung finden. Wir lassen die hier angegebenen Zahlenwerthe hier folgen : Grisebach führt in der Englisch -Westindischen Flora an blühenden und blüthenlosen Gefäfs Cryptogamen 3254 Arten auf, in 1096 Gattungen und 150 Familien. Die norddeutsche Flora erreicht etwa \ dieser Zahlenangaben, nämlich nach den neusten Auflagen der Garcke'schen Flora Norddeutschlands 129 Familien, 700 Gattungen und 2194 Arten. — Von diesen 150 aufgeführten brittisch- west- indischen Pflanzenfamilien, die sich auch meist über Cuba, Haiti und Portorico erstrecken , scheiden beinahe die Hälfte derselben als rein tropische und subtropische Familien aus, von denen für die westindische Flora als charakterische hervorzuheben sind: Anonaceen mit 19 Arten, Cappariden mit 22, Bombaceen mit 6, Guttiferen mit 22, Malpighiaceen mit 44, Bignoniaceen mit 29, Acanthaceen mit 38, Gesne- raeeen mit 35, Piperaceen mit 54, Myrtaceen mit 57, Me- lastomaceen mit 104, Rizophoren mit 4, Laurineen mit 28, Passifloren mit 33, Cacteen mit 8, Begoniaceen mit 8, Myrsineen und Sapoteen beide mit 23 und Palmen mit 20 Arten. Familien dagegen in annährend gleicher Ausbildung in Beziehung auf Gattungen und Arten bilden die Gräser und Cyperaceen. Im brittischen Westindien führt Grise- bach 59 Gattungen Gräser mit 168 Arten, und 107 Arten Cyperaceen in 18 Gattungen auf, während in der nord- deutschen Flora Garcke an Gräsern 50 Gattungen mit ebenfalls 168 Arten, und an Cyperaceen 117 Arten in 8 Gattungen vertheilt. Sehr auffällig ist es hierbei, dafs nur 2 Carices von Grisebach genannt werden, die norddeutsche Flora aber davon 78 nachweifst, die Cyperus Arten dagegen in ähnlicher Weise vermehrt erscheinen, wie die Carices abnehmen. Eine bedeutend reichere Ausbildung im englischen Westindien erhalten folgende Familien : Farn treten im englischen Westindien mit 48 Gat- tungen in 340 Arten auf, in Norddeutschland mit 14 Gat- tungen in nur 32 Arten, Orchideen in 73 Gattungen in 226 Arten gegen 14 Gattungen mit 46 Arten, Legumi- nosen in 90 Gattungen mit 262 Arten gegen 30 Gattun- gen und 117 Arten. Aehnliche Zahlenverhältnisse stellen dar die Euphorbien, 119 Arten gegen 21, Malvaceen 61 gegen 8, Tiliaceen 19 gegen 2, Rutaceen 31 gegen 2, Ur- tieeen 69 gegen 5, Terebintaceen 60 gegen 3 (nur ange- pflanzt), Lythrarieen 10 gegen 5, Cucurbitaceen 23 gegen 3, Araliaceen 7 gegen 1, Lorantaceen 22 gegen 2, Rubiaceen 173 gegen 23, Lobeliaceen 16 gegen 1, Lentibularien 10 gegen 6, Apocyneen 48 gegen 1, Asclepiadeen 28 gegen 1, Solaneen 67 gegen 15, Convolvulaceen 64 gegen 8, Ver- benaeeen 52 gegen 1 , Aroideen 29 gegen 3 , Dioscoreen 11 gegen 1, Lycopodiaceen 23 gegen 8. Dieser Präponderanz des tropischen Westindiens treten dagegen folgende Familien gegenüber, die in Norddeutsch- land eine reichere Ausbildung erhalten, im englischen West- indien meist aber nur schwach vertreten sind: Die Banunculaceen treten in Norddeutschland in 73 Arten auf gegen 4 brittisch-westindische, die Papaveraceen, mit Einschlufs der Fumariaceen , in 23 gegen 2. Die 9 aufgeführten westindischen Cruciferen sind wahrscheinlich sämmtlich eingewandert, während in Norddeutschland deren 115 bekannt sind, auch scheint dies der Fall mit den we- nigen Sileneen und Alsineen der Fall zu sein, während diese in unserer Flora die Summe von 33 und 43 erreichen. Salix Humboldtiana ist die einzige Salix Art des brittischen Westindiens, während Garcke in seiner Flora deren 37 aufführt. Aehnliche Zahlenverhältnisse lassen sich auch in nach- folgenden Familien nachweisen: Geraniaceen treten hier mit 45 Arten gegen 1 brittisch-westindische auf, Polygoneen mit 32 Arten gegen 15, Rosaceen mit 112 gegen 7, Po- maeeen fehlen ganz im brittischen Westindien , Onagrarien bilden bei uns 22 gegen 14 Arten, Crassulaceen 23 ge- gen 1 , Saxifrageen 12 gegen 1 , Umbelliferen 90 gegen 9, Caprifoliaceen 13 gegen 2, Compositen 228 gegen 160, Campanulaceen 20 gegen 1, Plantagineen 8 gegen 2, Plum- bagineen 4 gegen 2, Primulaceen 22 gegen 1, Gentianeae 21 gegen 20, Scrophularinen 103 gegen 23, Labiaten 70 gegen 23, Coniferen 10 gegen 5, Alismaceen 5 gegen 4, Hydrochariden 3 gegen 5, Typhaceen 5 gegen 1 , luneeen 8 '20. Februar 1866. '.29 gegen 1, Liliaceen ii gegen 18, Irideen 14 gegen 3, endlich Rbizocarpeen 2 gegen 1, und Eqniseten 9 gegen 2 Arten. Diese zuletzt aufgeführten Zahlen weisen in einer nicht unbedeutenden Anzahl von Familien, und zwar grade in Familien von anerkannter Formen-Schönheit, na- mentlich in Ranunculaceen, Irideen, Primulaceen, Liliaceen und Rosaceen, auf einen Formen-I\eichthum in unserer vater- ländischen Flora hin, die den Tropen Westindiens versagt ist, und auf die ich zu Gunsten unserer einheimischen Flora hier aufmerksam machen wollte. — Gedruckt in der Druckerei der küuisrl. Akademie der Wissenschaften. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 20. März 1866. Director Herr Geli. Rath Gurlt. Herr Gurlt eröffnete die Sitzung mit Vorlegung eines Dankschreibens des neu erwählten Ehrenmitgliedes Herrn Dr. Holtz und mit Uebergabe einer Druckschrift des eben- falls neu erwählten Ehrenmitgliedes Herrn Prof. Dufour in Lausanne. Hierauflegte Herr Jagor Proben von Agalloche, Aqui- laria agallocha Roxb. , vor, dem kostbaren wohlriechenden Holz, das in den Wäldern Hinterindiens, von Arsam bis Cochinchina und Hainan gefunden wird. Interessante No- tizen darüber giebt Ritter, Asien Th. IV, Bch. II, Bd. III, S. 293, 883, 933, 1097. Finlayson und neuerdings der Reisende Mouhot, die es in Chantabun (Cambodia) sam- meln sahen, bestätigen, dafs es sich beim Absterben des Baumes im Innern des Stammes bilde. Der duftende Theil ist ein verdicktes Oel oder Harz, das dem ursprünglich weissen Holz ein schwarz geflecktes Ansehn giebt. Es brennt wie Harz, verbreitet einen grossen Wohlgeruch und ist deshalb seit den ältesten Zeiten ein kostbarer Handels- artikel unter allen civilisirten Nationen Asiens, bei welchen es einen Hauptbestandtheil der beliebtesten Parfüms aus- macht. Ihm verdanken auch die Josssticks, Räucherstöcke der Chinesen, und die Pastüles du Serail, die gelegentlich zu uns kommen, ihren Duft. In Hinterindien wird es beim Verbrennen königlicher Leichen verwendet und ist ein Regal. Manche Arten sind so kostbar, dafs sie mit Gold aufge- wogen werden. Das frische Holz ist rein und geruchlos, Roxburgh, der den Raum in Arsam fand, verpflanzte ihn in den botanischen Garten von Calcutta. Ritter giebt eine ganze Liste von Namen, unter welchen das Holz be- kannt ist, und sagt, dafs die Malayen den Sanscrit- Namen aguru in agila verwandelten, woraus dann aquila und durch Uebersetzung bois-d'aig/e, eag/ewood, Adlerholz wurde. Die Malayen nennen es aber kayu-garu, dagegen mögen die Chinesen, die bekanntlich das li nicht aussprechen können, Veranlassung zu der Verwirrung gegeben haben. [1866] Hierauf legte Herrr Jagor Proben eines Holzes Pau-fa vor, das aus der Provinz Sze-chuen kommen soll, aber in ganz China in Form von dünnen Spänen käuflich ist. Es sondert nach kurzem Einweichen im Wasser eine grofse Menge Schleim ab, der von den chinesischen Damen, wie der Quittenschleim von den europäischen, zum Glätten der Haare gebraucht wird. Endlich erwähnte derselbe die Verbreitung der bisher auf wenige Gebiete Südamerikas beschränkten Cinchonen. Ein Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, roifs- glückte. Die Holländer führten sie 1854 durch Hasskarl in Java ein , die Engländer mehrere Jahre später durch Markham, in Britisch Indien, wo sie in den Neilgherries so schnell vermehrt wurden, dafs sie bereits Fieberrinden für den Handel liefern und in Privatpflanzungen gebaut werden. Von dort wurden sie über mehrere Tlieile Vorder- indiens, Ceylon, Trinidad, Jamaica, Mauritius, Cap der guten Hoffnung, Queensland u. s. w. verbreitet. Die Befürchtungen, dafs die Räume ausserhalb ihres Vaterlandes nicht dieselben Alkaloide, oder nur sehr geringe Mengen davon enthalten würden, sind vollständig widerlegt. Jr. de Vry fand sogar in einer Rinde von C. succirubra 11% Alkaloide, wovon der gröfste Theil Chinin war, wäh- rend die besten Peru Rinden selten mehr als 5% geben. Der als Gast anwesende Herr Dr. Kersten aus Alten- burg, der Regleiter des Barons v. d. Decken auf den Kili- mandjaro gab folgende Mittheilung: „Nach den letzten Nach- richten von Zanzibar kann es leider kaum noch zweifelhaft sein, dafs der Baron C. C. v. d. Decken nicht mehr am Leben ist. Es liegt daher kein Grund mehr vor, mit der Herausgabe seiner Sammlungen und Beobachtungen, die er sich für seine Rückkehr vorbehalten hatte, länger zu zögern. Ja es scheint von der Vorsicht geboten, diese Arbeit mög- lichst schnell in Angriff zu nehmen. Da ich den gröfsten Theil der Sachen selbst gesammelt habe, oder wenigstens 3 10 20. Märt 1866. Lei deren Erlangung mit zugegen gewesen bin , so kann ich leicht alle gewünschte Auskunft darüber geben. Aufser ausgestopften Wirbelthicren sind vorzüglich auch in Spi- ritus conservirte vorhanden. Die Insecten aller Klassen sind reich vertreten und meist trocken aufbewahrt worden. Von Crustaceen und Weichthieren ist ebenfalls Verschiedenes vorhanden. Einige Blechkistchen mit getrockneten Pflanzen von Re"union, Grofs-Comoro und den Seychellen, vermuth- lich auch von dem Kilimandjaro, stehen ebenfalls noch in Melkhoff (Mecklenburg- Schwerin) bei dem Baron Jul. v. d. Decken, dem Bruder des Reisenden. Die Pflanzen sind vorzugsweise beim Herabsteigen von Bergen gesammelt wor- den und bieten Repräsentanten von 8 — 10,000 Fufs an bis herab zur Meeresflächc. Es haben sich schon einige Herrn bereit erklärt, einzelne Theile der Sammlungen bearbeiten zu wollen, z. B. Herr Prof. Dr. Peters hier für Fische und Reptilien, Herr Staatsrath Prof. Dr. Grube in Breslau für Anneliden und niedere Crustaceen. — Von Herrn Geh. Rath Prof. Dr. Ehrenberg in diese gelehrte Gesellschaft eingeführt, glaubte ich mir erlauben zu dürfen, die hoch- geehrten Mitglieder auf diese Angelegenheit aufmerksam zu machen". Hierauf gab Herr Dr. K ersten Nachrichten über seinen mehrmonatlichen Aufenthalt auf der Insel Reunion (Bour- bon), schilderte die grofse vielartige Behaglichkeit des geselligen Lebens daselbst und auch die wissenschaftliche überraschende Thätigkeit für die durchgreifende Kenntnifs aller Verhältnisse der Insel. Derselbe machte auf eine im Jahre 1862 in Paris erschienene Beschreibung der Insel aufmerksam, unter dem Titel Notes sur P He de la Reunion (Bourbon) par L. Maillard, worin sowohl das geschicht- liche als das statistische, topographische Verhältnifs u. s. w. in 32 Abschnitten in Uebersicht gebracht wird ganz be- sonders aber auch die Geologie und Naturgeschichte der Insel ausführlich behandelt und zum Theil mit schönen Ab- bildungen von Insecten und anderen Tbieren und Pflanzen nach in Paris berichtigten Bestimmungen gegeben wird. Derselbe schlofs mit einigen Bemerkungen über die Sey- chellen, welche er ebenfalls besucht hat und die dort eigen- tümlichen Palmen mit Riesenfrucht (Lodnicea Seschellarum). Herr Dr. Aschers on zeigte zwei neue Einwanderer vor, welche der brandenburgischen und überhaupt der deut- schen Flora durch den jetzt überall verbreiteten Anbau der Serradella zugeführt worden sind, beide vom Lehrer Vogel in Pfaffendorf im Beeskower Kreise gefunden und ihm vom Lehrer C. Schultze zugesandt: 1.) Ambrosia maritima L., einem in den wärmsten Theilen Südeuropas vorkommenden Halbstrauch, der schon seit 1863 bei Pfaffendorf bemerkt wurde, mithin mehrere unserer Winter bereits überdauert zu haben scheint, da es kaum anzunehmen ist, dafs die Früchte hier zur Reife gelangen. Diese Pflanze ist auch bei Hamel und Hanau 1865 bemerkt worden. 2.) Linaria juncea (L.) Desf., in Westfrankreich, Spanien und Nord- afrika einheimisch. Ferner theilte derselbe aus einem Briefe des Herrn Dr. Seh wein fürt h aus Kartum, 10. Jan., Nachrichten über dessen Reise mit. Herr Gurlt legte die Zeichnung von Doppel -Nieren der rechten Seite eines Schweines vor und bemerkte, dafs bei sonst regelmäfsiger Körperbildung das Vorkommen von 2 Nieren einer Körperseite zu den Seltenheiten gehört. Bei Mifsgeburten habe er allerdings sogar 4 Nieren , auf jeder Körperseite 2, gefunden. Als Geschenke wurden mit Dank empfangen: 1.) Karsten Florae Columbiae , speeimen se/ecla. T. II. Fase. II. III. Geschenk des hohen Mi- nisteriums der geistlichen, Unterrichts- und Medi- cinal- Angelegenheiten. 2.) D u f o u r , recherches sur les Couranis electriques Terreslres. Lausanne 1866. 3.) Fünfundzwanzigster Bericht des Museum Fran- cisco Carolinum. Linz 1865. Gedruckt in der Druckerei der Königl. Akademie der Wissenschaften. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 17. April 1866. Director Herr Präsident v. Strampff. Herr v. Strampff eröffnete die Sitzung und begrüfste zunächst Hrn. Holtz als neu gewähltes anwesendes Mitglied. Hierauf sprach Herr Ehrenberg über die angeblich als Gallerten herabfallenden Feuermeteore. In einem Send- schreiben eines Koryphäen der Physiologie vom Jahre 1865 an die Moskauer naturf. Gesellschaft, welches vor- gelegt wurde, wird eine neue Ansicht über die Gallerten der Feuerkugeln ausgesprochen, die als ausgeworfene Ge- wölle von Fischadlern angesehen werden, und deren gal- lertige Beschaffenheit von der Nahrung dieser Thiere her- geleitet wird. Ein Ökonomie-Inspektor bei Königsberg hat vor vielen Jahren dem Verfasser des Sendschreibens mit äufserster Verwunderung ein mit einer Feuerkugel auf sei- nen eigenen Hof vom Himmel gefallenes noch mit weichen Theilen versehenes Froschbein vorgezeigt, das in einem etwa zwei Eimer voll betragenden Haufen Gallerte einge- schlossen gewesen sei. Diese Gallertmasse wurde von ihm erst am Morgen nach der am Abend vorher gesehenen Leuchtkugel aufgefunden. Gewifs mit Recht vermuthet der Verfasser des Sendschreibens, dafs die grofse Menge der Gallerte übertrieben sei, hält jedoch den Zusammenhang derselben mit der Feuererscheinung und ihr Fallen aus der Luft aufrecht. Die Motivirung dieser Ansicht beruht auf der Erfahrung, dafs im Eileiter der Frösche jener bekannte den Froschlaich umhüllende Schleim sei, welcher durch Wasseraufsaugung zu einer weit gröfseren gallertigen Sub- stanz aufquelle. Habe nun ein Fischadler Frösche ver- schlungen, und quelle in dessen Magen dieser Schleim plötzlich auf, so möge er wohl in der bekannten reich- lichen Menge von dem in der Luft fliegenden Vogel als Gewölle ausgeworfen werden und herabfallen. Auch möge derselbe, wie viele andere thierische Stoffe, zuweilen phos- phoresciren und den stets widerlichen Geruch des Magen- inhaltes des Fischadlers theilen. Die im physikalischen Wör- terbuch vonMuncke zusammengestellten Thatsachen werden [1866] in dieser Weise mit anderen in Übersicht gebracht. Der Vortragende bemerkte hierzu, dafs bereits im Jahre 1835 (in den Schriften der Akademie) die Vorstellung, dafs Vogel- gewöll die Basis der sogenannten Meteorgallerten bilde, in seiner Abhandlung über das Meeresleuchten p. 106 erwähnt wird, dafs aber ein solches, von ihm Reihergewöll benanntes Material, nur als Boden für eine gallertige davon verschie- dene Pflanze erkannt worden sei. Vor nun 30 Jahren (1836) hat derselbe auch in den gedruckten Mittheilungen dieser naturf. Gesellschaft (Januar und Februar) über die auf todten Fröschen sich bildenden scheinbaren Meteor-Gallerten Be- obachtungen veröffentlicht. Diese Gallerten waren von der Farbe des gekochten Eiweifses oder des gekochten Stärke- mehls und wurden in einem milden Winter bei Berlin beobachtet. In einem fliefsenden Wasser daneben gab es auf einem todten Frosch eine kopfgrofse Gallerte, wahr- scheinlich Actinomyce Horkelii von Meyen (Linnaea 1827 p. 433), welcher dieselbe von 4 Zoll Gröfse unter Wasser auf einem Stück thierischen Gekröses (?) beobachtet hat. An- dererseits hat Herr Schwabe in Dessau 1835 auf feuchter Erde eine ähnliche Substanz von weilser Farbe, dem Noslnc commune vergleichbar, gefunden und mit dem Namen in/ia///a Friedericae bezeichnet. Beide Formen, die weifsen Luft- gallerten und die fast wasserhelle Wassergallerte, wurden vom Vortragenden mikroskopisch untersucht; in beiden fan- den sich zahlreiche verästete Gliederfäden, deren Glieder kürzer in der Luftform, länger in der Wasserform waren. Froscheier waren in keiner der beiden Substanzen vorhan- den. Die auf der Wiese vielfach von ihm absichtlich hin und her zerstreuten Stücke der Substanz vermehrten sich zu weit gröfserem Umfange als der im Frühjahr im Wasser liegende Froschlaich es zu thun pflegt. Die aus dem Was- ser genommene Substanz bekam, ebenfalls auf der Wiese zerstreut, auch eine weifse Farbe und wurde der in der Luft entstandenen ganz ähnlich. Die damals vielfach aus- 4 12 17. April 1866. geführten nächtlichen Beobachtungen der mit nach Hause genommenen Substanz ergahen niemals eine Phosphorescenz. Es erschien daher die Vorstellung als begründet: 1) dafs jene beobachtete gallertige oft faust- oft kopfgrofse, zuwei- len in viele kleinere Bauteilen zerstreute Substanz jedenfalls einen pflanzlichen Struktur-Charakter habe; 2) dafs ein und dieselbe Form im Wasser und in der Luft sich anders ent- wickle; 3) dafs todte Frösche oft aber nicht immer die Unterlage dieser Substanz bilden; 4) dafs am bellen Tage Vögel, wahrscheinlich Heiher, Störche, oder im Winter Krähen die Frösche zerhacken und verschleppen; 5) dafs ferner solche weifse glänzende Gallerten am Abend wohl leicht phosphorescirend erscheinen können, ohne es zu sein, und dafs mithin die weifse Trvmelln meteorica alba L. Gmelin (Persoon), welche bald zu den Lichenen, bald zu den Algen, bald auch zu den Pilzen gerechnet worden, dieses nicht nach Phosphor oder Schwefel, sondern oft nach Frosch- Cadaver abscheulich riechende nicht meteorische Produkt sei. Es darf auch nicht übersehen werden, dafs todte Frösche mit ihren Eileitern sehr häufig sind, die Tremella meteorica alba pseudn meteorica doch immer nur eine seltene Erscheinung und zwar, wie es damals schien, die Luftform einer Wasser- alge ist. Gegen die Vorstellung eines Gewölls fliegender nächtlicher Raubvögel streitet der Umstand, dafs die Fisch- adler als Tagvögel nicht des Nachts umherfliegen, und die Eulen, welche nach Oken schon längst in dem Verdacht waren, Sternschnuppen zu liefern (Naturgesch. I!d. III. p.521), als Froschjäger nicht gekannt sind. So wird also doch daran festzuhalten sein, dafs der blendende Schein einer sich nach dem Horizonte hin senkenden Feuerkugel, auch bei dem Ökonomen in Königsberg, wie immer bisher, den Irrllium erweckt hat, als ob die niemals oder nur zuweilen sehr matt phosphorescirende ruhig am Boden liegende Frosch- Tremella solch einen Niederfall der Feuerkugel bezeichne. Der Umstand, dafs der Ökonomie-Inspektor bei der in seinen Hof gefallenen Feuerkugel im Hofe selbst nicht sofort das Feuer liegen sah und genauer betrachtete, zeigt unzweifelhaft an, dafs die am Morgen im Hofe gefundene Gallerte erst bei ihm am andern Tage die Vorstellung einer Verbindung zwi- schen der Feuerkugel und der Gallerte hervorgebracht hat, während sie wahrscheinlicher gar nicht unter sich zusammen hingen. Hiernach ist denn jetzt für ähnliche Fälle die so- fortige Anwendung des Mikroskops ganz besonders auf die Gallerte zu empfehlen, um zu ermitteln, ob diese stets eine vegetabilische Struktur habe, oder zuweilen als aufge- quollene, Strukturlose Masse erscheine. Die Übersendung eines Theiles der Gallertmasse, nicht der Froschtheile, an einen in der Nähe befindlichen Algen-Kenner, Professor der Botanik oder Zoologie in einem kleinen festen Bebälter wird die Natur solcher angeblichen Gallertmasscn der Feuerkugeln weiter feststellen. Herr Dr. Otto Schul tzen berichtete über Versuche, welche von ihm in Gemeinschaft mit Dr. Graebe über das Verhalten der aromatischen Körper im Organismus ange- stellt wurden. Veranlassung dazu boten die widersprechen- den Angaben über die Bildung der Hippursäuren, da nach Bertagnini die Anissäure, nach Beilstein und Schlon die Chlorbenzoesäure, nach II offmann und Kraut die Cuminsäure den Organismus unverändert passiren sollen, während Benzoesäure, Nitrobenzoesäure, Salicylsäure und Toluylsäure die entsprecheneden Hippursäuren liefern. Nach den vorliegenden Versuchen geben sowohl Anissäure als auch Chlorbenzoesäure und Amidobenzoesäure die ent- sprechenden Hippursäuren, welche nach Einführung in den Magen aus dem nach 10 bis 12 Stunden entleerten Harne in bekannter Weise gewonnen wurden. Analysirt wurden folgende Verbindungen: 1. Chlorhippursaures Calcium. C berechnet = 46,02 gefunden = 45,80 H M 3,01 5> 3,20 H 2 5» 13,40 11 13,82 Ca ?» 8,60 »» 8,64 Cl »> 15,36 1» |14,5 Formel = (C 9 H 8 N0 3 ) 2 Ca -f- 4 H 2 2. Anisursäure. C berechnet = 57,41 gefunden = 57,82 H „ 5,27 „ 5,51 N „ 6,7 „ 6,06 3. Anisursaures Calcium. H 2 berechnet = 10,49 gefunden = 10,23 Ca „ 8,77 „ 8,63 Formel = (C 10 H 10 NO 4 ) 2 Ca -+- 3 H 2 4. Anisursaures Silber. Ag berechnet = 34,18 gefunden = 34,09 Formel = C 10 H 10 AgNO 4 Nach Genufs von Phtalsäure enthält der Harn ebenfalls eine stickstoffhaltige Säure (Phtalursäure), mit deren Untersuchung die Verf. noch beschäftigt sind. Herr Dönitz zeigte das aus Helgoland stammende Hautskelct eines Seeigels (Echinus sphaera O. F. Müller) vor, welches in eigenthümlicher Weise mifsgestaltet ist. Es fehlt nämlich das linke vordere Interambulacralfeld fast gänz- lich. Nur in der Nähe des dorsalen Poles tritt es als 17. April 1866. 13 schmale, buckeiförmige Erhabenheit auf. In Folge des Feh- lens dieses Feldes sind die beiden Porenstrafsen, welche es normaler Weise zu beiden Seiten begrenzen sollten, anein- andergerückt und zu einem einzigen Fühlergange ver- schmolzen, an dem sich indessen durch die nebeneinander herlaufenden Reihen nach unten zu divergirender Porenpaare die Zusammensetzung aus zwei Porengängen kennzeichnet. Durch den Ausfall des Interambulacralfeldes ist indessen keine allgemeine Verschiebung der Felder eingetreten, denn die rechten und linken Ambulacralfelder liegen wie gewöhn- lich symmetrisch zu einander und zur Madreporenplatte. Dagegen ist das vordere, unpaare Ambulacralfeld nach links bin abgewichen und an das linke vordere Ambulacralfeld herangetreten. Auch an der linken vorderen Genitalplatte findet sich eine Abnormität. Diese Genitalplatte ist nur halb so hoch als die anderen und enhält keinen Porus. Die anliegenden Ocellarplatten sind ungewöhnlich breit und sto- fsen, begünstigt durch die geringe Höhe der Genitalplatte, unmittelbar aneinander. Über die Weichtheile läfst sich nichts berichten, da sie schon entfernt worden waren, als Herr Stud. P. Magnus, dessen Güte das anatomische Mu- seum dieses seltene Präparat verdankt, dasselbe an sich nahm. Wollte man aus diesem, leider noch vereinzelt dastehen- dem Befunde einen allgemeinen Schlufs ableiten, so würde es etwa der sein, dafs bei den Seeigeln, wie wohl bei den Echinodermen überhaupt, die von Agassiz aufgestellte Symmetrie entweder gar nicht existirt, oder wenigstens weit gegen den radiären Typus zurücktritt. Agassiz legte bekanntlich durch das Centrum des dorsalen Poles und die Madreporenplatte eine Ebene, durch welche der Organismus in zwei seitliche Hälften getheilt wurde. Diese Ebene trifft bei Seesternen einen Arm, bei Seeigeln ein Ambulacralfeld, welche als unpaar bezeichnet werden und deren Lage für die vorausgesetzte Symmetrie maafsgebend ist. Aber gerade dieses Feld ist im vorliegenden Fall aus seiner Lage abge- wichen; folglich kann es nicht die ihm beigemessene Be- deutung hinsichtlich der bilateralen Symmetrie haben. Führt man hingegen den Bau der Echinodermen auf den radiären Typus zurück, so steht der Deutung der beschriebenen Mifsbildung keine Schwierigkeit entgegen. Mag ein Strahl ausfallen oder mögen neue hinzukommen, der radiäre Typus besteht nach wie vor. Ob indessen der radiäre Typus sich mit bilateraler Symmetrie combinirt, wie es J. Müller und Troschel in ihrem System der Ästenden angeben, das be- darf noch weiterer Untersuchungen, zu denen sich vor allem die Monstrositäten empfehlen. Herr Söchting sprach über mehrere, zum Theil kry- stallisirte Hüttenerzeugnisse, welche er auf einer im Monat März nach Westphalen unternommenen Reise gesammelt hatte. Als Geschenke wurden mit Dank empfangen: 1) Monatsbericht der Berl. Akad. d. Wissensch. 1865. 2) Dr. C. Möbius, über den Bau und die Entwicklung der Nesselkapseln einiger Polypen u. Quallen. Ham- burg 1866. Bes. Abdruck aus d. Abhandl. d. naturf. Gesellsch. in Hamburg. 3) Annales des Museo publico de Buenos Ayres per Ger- man Burmeister med. Dr. phil. Entrega primera 1864. 4) Dr. Joh. Hanstein, Pilularia globulifera generatio, eum Marsilia comparata. Dissertatio Academica. Bonnae 1866. 5) Dr. Joh. Hanstein, die Gesneraceen des Kgl. Her- bariums und der Gärten zu Berlin. Abschnitt II. Gedruckt in der Druckerei der Künigl. Akademie der Wissenschaften. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 15. Mai 1866. Director Herr Präsident v. S tramp ff. Nachdem Herr v. Strampff die Sitzung eröffnet hatte, theilte Herr Pritzel, anknüpfend an Friederich Tiede- mann's im Jahre 1854 erschienene Geschichte des Tabaks, einen in Hornung's Cista medica pag. 432 abgedruckten Brief des Nürnberger Arztes Leonhard Doldius an den Leibarzt des Bischofs von Bamberg, Sigismund Schnitzer, vom April 1601 mit, aus welchem klar hervorgeht, dafs die Anfänge des Tabakrauchens, in Deutschland wenigstens, um zwanzig Jahre früher fallen, als die Historiker und mit ihnen Tiedemann annehmen, nach denen die englischen Hülfs- truppen, welche der Graf Grey im Jahre 1620 dem Könige Friedrich von der Pfalz zuführte, die ersten Raucher gewesen sind, die man in Deutschland sah. Doldius schreibt aber seinem Freunde, dafs eine persische Gesandtschaft, die im April 1601 bei dem Kaiser Rudolph II. in Nürnberg ein- traf, nicht nur für ihren Bedarf Tabak in der Stadt vorge- funden habe, sondern dafs auch bei den Nürnbergern die Sitte, Tabak aus Röhren (tubu/i) zu rauchen, beinahe all- täglich geworden sei. Ferner theilte derselbe eine Reihe von Daten mit, welche den Belag liefern, dafs die Einführung des Buch- weizens (Po/jgonum Fagnpyrum L.) in die deutsche Land- wirtschaft mindestens ein Jahrhundert früher falle , als Johann Beckmann, Link, Meyen, De Candolle und noch neuerdings Fraas angenommen haben. Aus einer Vergleichung aller fünfzehn deutschen vorlutherischen Bibeln in der hiesigen Königlichen Bibliothek hat sich ergeben, dafs die niederdeutschen Bibeln, welche bald nach 1470 in Cöln, 1492 in Lübeck und 1520, 1522 und 1523 in Halberstadt gedruckt sind, in der Stelle Jesaias XXVIII, 25. sämmtlich das Wort Buchweizen (boekwete, bnktveit) enthalten. Fer- ner erscheint dasselbe beim Jahr 1456 in Johann Berck- mann's Stralsundischer Chronik. Die früheste Erwähnung findet sich jedoch nach Angabe des Herrn Archivrath Lisch in Schwerin in Originalregistern des mecklenburgischen Am- tes Gadebusch vom Jahre 1436 (Mecklenburgisches Archiv, Heft 8, p. 136). Viel weiter hinauf wird das Erscheinen dieser muthmafslich aus China stammenden Pflanze in Deutschland kaum reichen, da der Name in allen bis ins 14. Jahrhundert gehenden an Kulturpflanzen überaus reichen [1866] Glossaren (verglichen sind die Bonner, die Trierschen, die Prager, die Wiener, die Admonter und die Königsberger Glossen) fehlt. Die Pflanze wird jetzt in ganz Europa bis zum Hofe Dönnaes im Nordlande unter 66° 5' nördlicher Breite cultivirt. Herr Ehrenberg gab zu seinen Mittheilungen in der letzten Sitzung über die angeblichen Sternschnuppen-Galler- ten einige weitere Bemerkungen. Die von mir im J. 1835 angeführte Vermuthung des Leuchtens der Reihergewölle bezog sich hauptsächlich auf die Angaben Zenneck's aus Hohenheim, dafs solche dem gekochten Stärkemehl ähnliche weifse Gallerten besonders an Teichufern häufig seien , wo Reiher sich aufhalten, die er als Sternschnuppen-Materien bezeichnet und umständlich beschrieben hat. Diese Beob- achtungen Zenneck's waren in Oken's Isis im J. 1828 p. 530 publicirt worden. Sie wurden bei Kupferzell und Waidenburg im Würtembergischen angestellt und ausführ- lich in Frankfurt a. M. vorgetragen. Nach direkten Unter- suchungen des Mageninhalts von Reihern fanden sich darin dergleichen Gallerten nicht und das Auswerfen wurde nicht direkt beobachtet. Die zahlreichen am Weiherufer oft darm- artig gewundenen Gallerten mit starkem cadavrösem Geruch hielt er für aus der Erde hervortretende Würmer oder Eier- gallerten von Schnecken. Wahrscheinlicher mögen Aaskäfer (Todtengräber) das Froschgedärm theilweis in die Erde ge- zogen und die Löcher veranlafst haben. Ein Leuchten wurde nicht beobachtet. Diese Gallerten wurden im Oktober, November und December gesammelt, also zu einer Zeit, wo alle Arten von Fröschen ihre Eier bereits entleert hatten. Ganz besonders bemerkenswert!! dürfte sein, dafs die Störche als die eigentlichen Froschjäger und als oft auf Strohhäusern und Scheunen ihre breiten, leicht Feuer fangenden Reisig- nester aufbauenden Hausthiere noch niemals einen Haus- besitzer durch phosphorescireuden Auswurf erschreckt zu haben scheinen, so dafs von keiner Seite bisher glaubwür- dige Nachrichten über herabfallendes phosphorescirendes Ge- wöll bekannt geworden sind. Die am schwersten in dieser Antreleeenheit wieeende Thatsache ist aber noch eine andere. Es sind nämlich die als Sternschnuppen oder Feuerkugel- gallerten bezeichneten Massen, wenn sie am Boden lagen, 5 16 15. Mai 1866. noch niemals als feurige Klumpen beschrieben worden, wäh- rend docli alles phosphorescircnde Fleisch, organischer Schleim, oder organische Gewehe, wenn es Oberhaupt phosphorescirt, so sehr man es auch zerstückelt, am Boden ruhig fortleuch- tet und sogar auf jeder neuen Bifsfläche sich verstärkt. Aus all diesen Gründen scheint es nothwendig, die ganze Vor- stellung herabfallender leuchtender Gallerlen als Almosphaeri- lien sowohl als als Gewölle von Vögeln ganz fallen zu lassen, und sie unter die Märchen zu verweisen. Die pseudo- metcorische Gallertpflanze auf todten Fröschen aber, welche Pflanzenstruktur zeigt, um nicht immer neue Namen zu geben, als (Nosloc) Tremella melenrica alba nicht aufser Acht zu lassen. Die Hauptgesichtspunkte bei dieser Ange- legenheit scheinen folgende zu sein: Die angeblichen Me- teorgallerten beziehen sich niemals auf Nnslnc commune und ihre vertrockneten im Regen aufweichenden als Collema unter den Flechten verzeichneten Formen , sondern auf die damit verwechselte Tremella melenrica alba. Diese kann mit und ohne faule animalische Stoffe sich auf feuchter Erde vor- finden, gewöhnlich ist sie durch die faule animalische Grund- lage von sehr üblem Geruch, hat aber, wie von mir 1836 zuerst nachgewiesen worden, dabei eine pflanzliche, mehr oder weniger entwickelte Struktur. Die frischen Eingeweide der Frösche haben so wenig eine übelriechende Beschaffen- heit, als der von den Fröschen ausgeworfene Froschlaich, der niemals eine Pflanzenstruktur zeigt. Die Erscheinung der Tremella meleorica alba ist von Zenneck reichlich im Oktober, November, December, von mir selbst im Januar und Februar beobachtet, also zu Zeiten, wo die Frösche keine Eier legen. Des Nachts fliegende Beiher oder Beiher- züge und dergleichen sind im nordischen Winter so wenig denkbar als ihr Fang lebender Frösche. Die so häufigen Storrhnester auf Strohdächern haben niemals des Phospho- rcscirens halber Schrecken der Feuersgefahr erregt. Die im milden Winter auf Wiesen gesehenen Frosch -Tremellen können wohl nur von erfrornen, durch Krähen aus dem Eise gehackten und zerstückten Fröschen herrühren. Das Phos- phoresriren solcher Gallerten kann mit dem Auffallen auf die Erde nicht plötzlich aufhören, nicht wie ein Licht ver- löschen, und ist dennoch niemals als ein stetiges Fortlench- ten beobachtet. Dafs überhaupt die wasserreichen Gallerten lichtartig brennen sollen, ist gegen die physikalische Natur, und dafs wirklich brennbare und leuchtende harzige Massen, die verlöschen können, oder verkohlte brennbare Stoffe, aus der Luft herabfallend gefunden worden wären , ist nicht erwiesen. Das in Curland 1686 gefallene schwarze Meteor- ferven-Filz in den Abhdl. der Akademie erläutert worden. Aus diesen Gründen ist die ganze bisherige Vorstellung aus der Höhe herabfallender, leuchtender Gallerlen offenbar un- beglaubigt, und nur historisch bei den Meteoren als unbe- gründete Sage zu bemerken. Derselbe zeigte dann einige d. Akad. d. W. vorgelegte Samen von den Getreidearten der Pfahlbauten in der Schweiz vor, welche Prof. Heer in Zürich ihm zugesandt und die dem Kgl. Herbarium zur Aufbewahrung übergeben werden. Hr. v. Martens zeigte einen Seestern und eine Land- schnecke aus den Sammlungen der ostafrikanischen Expe- dition des unglücklichen Baron von der Decken vor. Der erstere, aus Zanzibar, ist eine neue Art der Gattung Pie- raster und besitzt dieselbe Dupliratiir der Bückenhaut mit dazwischen befindlicher lirulhöhle, wie sie an dem norwe- gischen P/eraster miliiaris von Koren, Danielssen und Sars beschrieben ist. Die letztere ist eine genabelte Aus- artung der Achatina fulica Ferussac , von den Seychellen, entstanden durch eine mechanische Verletzung in der Ju- gend des Individuunis , wodurch die Umgänge eine etwas von der Norm abweichende Spiralrichtung angenommen und im weiteren Wachsthum constant beibehalten haben. Hr. Ascherson legte ein frisches Exemplar der jetzt in der Provinz Brandenburg schon ziemlich eingebürgerten Wanderpflanze Senecio vernalis W. K. vor, welche er in Gesellschaft mit Dr. Beinhardt auf einem Luzerneacker bei Büdersdorf zahlreich beobachtete; ferner Linnaea bo- realis L. aus dem Büdersdorfer Forst bei Fangschleuse und ein Exemplar von Vaccinium T'itis idaea L. mit fast 6' lang ausgegrabenem, horizontal in geringer Tiefe unter der Bo- denfläche hinkriechendem Stengel, an welchen Gegenstand, in Hinweis auf ähnlichen Wuchs bei anderen immergrünen Waldpflanzen, wie Linnaea, die /Vro/a-Arten, er einige biologische Remerkungen knüpfte. Im Anschlüsse an seinen Vortrag in der letzten Sitzung berichtete Herr Söchting zuletzt über seinen Besuch auf der Hütte zu Horde bei Dortmund und über den daselbst von ihm gesehenen Bessemerprocefs, dessen unter den prächtigsten Erscheinungen stattfindender Verlauf geschildert wurde. Zumal geschah Erwähnung auch des glänzenden Flammenspiels und Feuerregens, welche bei dem Durch- gange des hochgeprefsten Windes durch das in die Birne eingelassene, geschmolzene Eisen erfolgen. Bei diesem, einem Vulkanausbruche ähnelnden Vorgange fehlt es auch nicht an zahlreichen, kleinen, bombenartigen Schlacken- auswürflingen, deren Bedner eine Anzahl aufgenommen hatte papier ist von mir 1838 als terrestrischer verrotteter Gon- i und hei dieser Gelegenheit vorlegte. Gedruckt in der Druckerei der könijl. Akademie der \\ issensrhadfn. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 19. Juni 1866. Director: Herr Präsident v. S tramp ff. Herr v. Strampff eröffnete die Sitzung und legte folgende, als Geschenke für die Gesellschaft eingegangene, und m-t Dank entgegen genommene Schriften vor: 1. Monatsberichte der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin; Januar, Februar, März 1866. 2. liecherches sur les figures d'e'quilibre par I. Plateau, 1866 ; Exlrait du lonie XXX fl des Me'moires de i'acade- mie Bc/giaue; übergeben von Hrn. Magnus. 3. Über einen Phytoütharien-Tuff als Gebirgsart im Toluca- Tlial von Mexico, von Ehren berg, März 1866, Aus- zug aus den Monatsberichten der Kgl. Akademie der Wissenschaften. 4. Jahrbuch des naturhistorischen Landesmuseums in Kärn- then: 7. Heft. Klagenfurt, 1865. 5. Singapore. Malacca. Java. Reiseskizzen von F. Jagor. Berlin, 1866. 6. Blasquez. Memoria sobre el Maguey Mexicano (Agave Maximilianea). Mexico, 1865. Herr Peters legte das Gehörorgan von Chiromjrs rnadagascariensis vor, und zeigte, wie auch hieraus die Ver- wandtschaft dieser Gattung mit den Halbaffen und die Ver- schiedenheit von den Nagern, mit denen Cuvier und nach ihm die meisten Naturforscher sie vereinigt hatten, bewie- sen werde. Herr v. Martens theilte die Beobachtungen und Züch- tungs-Resultate betreffend Mus rattus und M. Alexandrinus mit, welche Arthur de l'Isle in den Annales des scien- ces naturelles von 1865 veröffentlicht hat, und schlofs sich unter Vorzeigung afrikanischer und deutscher Exemplare, erstere von Ehrenberg's Reisen, letztere von Rentier Effeldt erhalten, der Ansicht des französischen Naturfor- schers an , dafs zwischen beiden keine andere Verschieden- heiten als diejenigen in der Färbung vorhanden sind, nament- lich auch, dafs der harte und weiche Gaumen bei beiden übereinstimmend gebildet ist. De l'Isle's Züchtungen er- gaben eine unbeschränkte Fruchtbarkeit der beiden unterein- ander, sowie der Mischliuge von beiden unter sich, während derselbe von Mus rattus mit M. decumanus keine Bastarde erhalten konnte. Die Mischlinge aus den beiden erstge- nannten folgten in der Färbung, wenn rattus die Mutter [1866] und Alexandrinus der Vater war, theils der einen, theils dem andern , oder hatten eine aus beiden zusammengesetzte Färbung, doch war die Mehrzahl schwarz wie rattus (14 von 18); in den Fällen dagegen, wo rattus der Vater und Alexandrinus die Mutter, hatten sie alle die schwarze Fär- bung des Vaters (zwei und zwanzig Junge in vier ver- schiedenen Würfen von zwei Paaren). Auf dieses auffal- lende Überhandnehmen der schwarzen Färbung bei den Mischlingen, sowie auf die Thatsache, dafs alle im Freien, unabhängig von menschlichen Wohnungen lebenden Arten der Gattung Mus (im gegenwärtigen Sinne) zweifarbig, oben braun und unten weifs, dagegen gerade die Hausratte und die Hausmaus fast einfarbig schwärzlich sind, gründet A rthu r de l'Isle die Vermuthung eines Causalzusammenhangs zwi- schen der dunkeln Färbung und dem Aufenthalt in mensch- lichen Wohnungen, beziehungsweise dem Einwandern in nördliche Gegenden als ihre eigentliche Heimat , vermittelst menschlichen Verkehres, die Hypothese, dafs Mus Alexan- drinus die ursprüngliche Färbung der Art darstelle, Mus rattus eine schwarze Ausartung derselben ; schwarze Abarten kommen bei vielen Säugethieren, namentlich Nagthieren vereinzelt auch im Freien vor, bei den Eichhörnchen in ein- zelnen Gegenden beinahe ebenso zahlreich oder selbst noch zahlreicher als die gewöhnliche rothbraune Färbung. Rei den Ratten und Mäusen wäre die schwarze Abart unter dem Einflüsse der angedeuteten Umstände im Laufe vieler Gene- rationen vorwiegend geworden, die ursprüngliche aus braun und weifs zusammengesetzte Färbung bei der Hausmaus, Mus masculus L., welche schon seit dem Alterthum in Europa Mitbewohnerin der menschlichen Wohnungen ist, gänzlich verschwunden, bei der Hausratte {Mus rattus), welche erst im Mittelalter in Europa eingedrungen, in ihrer afrikanischen Heimat noch unverändert fortbestehend (eben Mus Alexandrinus) aber innerhalb Mitteleuropa jetzt zur Seltenheit geworden, und auch der erst im vorigen Jahrhun- dert eingewanderten Wanderratte, Mus decumanus Pall., dürfte im Laufe der Zeit eine ähnliche Verdunklung der Farbe bevorstehen. De l'Isle glaubt annehmen zu dürfen, dafs innerhalb dreier Jahrhunderte die schwarze Färbung aus einer vereinzelten Seltenheit zur vorherrschenden Regel ge- 6 18 19. Juni 1866. worden, indem im sechzehnten Jahrhundert Gesner die Farbe der Ratte schwärzlich, subniger , nennt — überhaupt die älteste Angabe über ihre Färbung — und im dreizehnten Jahrhundert wohl schon in französischen Gedichten die Ratte neben der Maus als Hausbewohnerin erscheine, aber in Deutschland noch unbekannt gewesen sei, da Albertus Magnus unter dem Namen Ratte nur den Gartenschläfer, Mroxus quercinus L. , beschreibe, die Ausbreitung unserer Ratte in Europa also ungefähr in diese Zeit falle. Der Vor- tragende machte auf die Unsicherheit dieser Zeitbestimmung aufmerksam und glaubt die fragliche Stelle des Albertus so auffassen zu müssen, dafs derselbe neben der Ratte als weitere Art von Mäusen den Gartenschläfer beschreibe, wo- durch sein Zeugnifs in dieser Frage, wann innerhalb des Mittelalters Hie Ratte in Europa allgemein geworden, sich gerade umkehrt. In Retreff der Wanderratte, Mus decu- rnanus, fügte der Vortragende noch hinzu, dafs Rech stein im Anfang dieses Jahrhunderts noch von keiner schwarzen Varietät derselben wisse, eine solche gegenwärtig aber be- kannt und nicht ganz selten sei. Herr Peters bemerkte durch Vorstehendes veranlafst, dafs schwarze Wanderratten gegenwärtig im zoologischen Garten Rerlins häufig gefangen werden, ferner, dafs Mus Alexandrinus in ganz Ostafrika häufig in Häusern lebe ohne Farbenänderung, endlich dafs Hasen und Kaninchen ein auffäl- liges Reispiel fruchtbarer Rastardziichtung zwischen zwei ganz verschiedenen Arten in der Ordnung der Nagethiere geben. Herr v. Martens zeigte ferner vor die in demselben Rand der Annales des sciences naturelles veröffentlichte Copie einer Zeichnung des Mammuts, Elephas primig enius , als eines lebenden Thieres, auf einem Zahnbruchslück desselben Thiers im südwestlichen Frankreich gefunden, im Vergleich mit Ab- bildungen von Elephantenschädcln und lebenden Elephanten aus unserer Zeit. Der Schädel des Elephas primigenius und der jetzigen indischen Art stimmen im allgemeinen Umrifs recht gut mit einander überein. Während des Lebens ist bei dem indischen und afrikanischen Elephanten der Kopf nicht höher als der Rücken, eher niedriger, und die hintere abschüssige Fläche des knöchernen Schädels derartig von Weichtheilen bedeckt, dafs nur eine ganz seichte Einsatt- lung im Nacken bleibt. In der fraglichen Zeichnung auf dem Elfenbeinstück nun ist aber diese abschüssige hintere Fläche sehr bestimmt dargestellt, die ganze Contur des obern Theils des Kopfes gleicht damit dem Umrifs des knöchernen Schädels von Elephas primigenius und E. indicus, aber nicht dem des mit seinen Weichtheilen bedeckten Kopfes eines lebenden Elephanten; die Vcrmuthung liegt daher nahe, dals demjenigen, der diese Zeichnung entworfen, die Umrisse eines entfleischten Elephantenschädels, vielleicht gerade die bekannte vielkopirte Abbildung in Cuvier's ossemens fossi- les, aber nicht ein lebender Elephantenkopf vor Augen oder im Gedächtnisse waren. Somit ist diese Zeichnung nicht un- verdächtig, und für die Reantwortung der Frage, ob Mensch und Mammut gleichzeitig gelebt haben, nicht entscheidend. Herr Foerster machte einige Mittheilungen über das am 1'2. Mai dieses Jahres beobachtete plötzliche Aufflammen eines Sternes zweiter Gröfse im Sternbilde der Krone. Dieser merkwürdige Stern, der seitdem zur Helligkeit der Sterne 9. Gröfse herabgesunken und vor etwa 10 Jahren bereits in dem grofsen Kartenwerk des Prof. Argelander in Ronn als ein Stern 9. bis 10. Gröfse eingetragen wor- den sei, habe eine Veranlassung zur Anwendung der Spec- tral-Untersuchung auf die Phänomene der plötzlichen Hel- ligkeits-Anderungen geboten, durch welche der Einblick in das Wesen solcher Erscheinungen bedeutsam gefördert worden sei. Spectral - Reobachtungen in London und in Paris, ausgeführt von Huggins und Wolf, lassen erken- nen, «lafs das Licht jenes Sternes zwei Quellen von ver- schiedener Intensität entströme, von denen die eine, weni- ger intensive, eine leichte Spectral-Fläche mit dunkeln Ab- sorptions-Linien, die andere, beträchtlich intensivere, einzelne lichte Spectral-Linien mit breiten Zwischenräumen ergebe. Die letztere Lichtquelle, welcher man wegen ihrer gröfseren Energie den Hauptantheil an der plötzlichen Hel- ligkeits -Steigerung des Sternes zuzuschreiben geneigt sei, sei nach der bekannten Deutung der Spectral-Phänomene als eine glühende Gasmasse zu betrachten, während die mattere Spectralfläche von dem Körper des Sternes emanirt sein müsse. Die Vermulhiing liege also nahe, dafs das jähe Auf- leuchten des Sternes von der plötzlichen Erglühung grofser Gasmassen herrühre, unter denen, wie es scheint, Wasser- stoff einen Hauptbestandlheil gebildet habe, weil eine der hellsten Wasserstofflinien mit einer der lichten Linien des Sternspectrums nahe zusammengefallen sei. Es würde nun für die richtige Deutung des ganzen Processes viel darauf ankommen, wie sich die relative Ab- nahme der Intensitäten der Spectralfläche und der einzelnen lichteren Linien bei der allgemeinen und ziemlich schnellen Licht-Abnahme des Sternes verhalten habe. Nach den bis- herigen darüber veröffentlichten Mittheilungen habe die In- tensität der Gas-Linien langsamer abzunehmen geschienen, als die der matteren Fläihe; doch müsse man die endgültige Diskussion so delikater Messungen, bei denen Empfindungs- täuschungen möglich seien, abwarten. Gedruckt in der Druckerei der Königl. Akademie der Wissenschaften Sitzungs-Bericht der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 17. Juli 1866. Director: Herr Professor Braun. Herr Dönitz zeigte einen heizbaren Objecttisch nach Max Schultze vor und berichtete über seine Untersuchun- gen der rothen Blutkörperchen bei erhöhter Temparatur. Die feuchte Kammer kann bei «liesen Untersuchungen vollkommen entbehrt werden, denn sie verhindert keineswegs, dafs die untersuchte Flüssigkeit am Rande des Deckgläschens ein- trocknet. Nicht die feuchte Kammer, sondern dieser einge- trocknete Rand ist es, welcher nachher das Präparat längere Zeit vor Verdunstung schülzt. — Bei den Untersuchungen der rothen Blutkörperchen des Frosches stellte sich heraus, dafs diese sich verschieden verhalten, je nachdem das Rlut im Y\ inter oder im Sommer den Fröschen entnommen wird. Die normalen rothen Blutkörperchen des Frosches haben im Som- mer das Aussehen, was Owsiannikow neuerdings so genau beschrieben hat {Bull, de l'Acad. imp. de S. Pe'tersb. T. VIII). V\ interfrösche hingegen, welche einer niedrigen Temperatur ausgesetzt gewesen sind, führen nur sehr wenig normal aussehende rothe Blutkörper. Man bemerkt fast nur einen ziemlich scharf contourirlen Kern; der Blutfarbstoff ist ver- schwunden, die elliptische Begrenzung des ganzen Körper- chens schwach angedeutet oder gar nicht zu erkennen. Man könnte glauben, nur weifse Blutkörper vor sich zu haben, wen nicht durch verschiedene Reagentien die Anwesenheit des elliptischen Contours (Membran) sich nachweisen liefse. Untersucht man solche Winterfrösche, nachdem sie einen oder mehrere Tage der Temperatur eines geheizten Zimmers ausgesetzt waren, so nimmt die Zahl der normalen rothen Blutkörper wieder zu. Erhöhte Temperaturen wirken im Winter anders auf rothe Blutkörperchen als im Sommer. Die im Sommer mit ziemlicher Sicherheit bei bestimmten Temperaturen auftretenden Veränderungen zeigen sich im Winter entweder gar nicht, oder häufig bei ganz anderen Temperaturen, abgesehen davon, dafs Veränderungen, die bei gewissen Wärmegraden auftreten, sich nicht selten schon bei etwas niederer Temperatur einstellen, wenn das Präparat längere Zeit auf dieser erhalten wird. Im Sommer schiefsen bei 3'2-* Cels. manchmal aus einzelnen ganz normal erschei- nenden rothen Blutkörpern plötzlich unter den Augen des Beobachters lange Fortsätze heraus, welche sich unmittelbar darauf oder erst späterhin abschnüren und Kugelgestalt an- nehmen; eine Erscheinung, die auch Preyer, freilich an vorher schon veränderten Blutkörperchen in Extravasatblut, beobachtete (firchow's Archiv XXX S. 426). Im Winter bekommt man diesen Vorgang selten zu Gesicht, und dann gewöhnlich bei 34°. Bei Erwärmung auf 36° pflegen im Sommer die bis dahin noch nicht veränderten Körperchen zu erblassen und sich aufzublähen, die Contouren des gan- zen Körperchens zu verschwimmen, die des Kernes scharf hervorzutreten. Im Winter ist diese Veränderung nicht [1866] selten bei 34 oder 35°. Neu mann bat dieselbe Erschei- nung durch electrische Ströme hervorgerufen (Reichert's und du Bois- Beymond's Archiv 1865). Sind bei steigender Tem- peratur noch wenig veränderte rothe Blutkörper übrig ge- blieben, so bekommen diese, hauptsächlich im Winter, bei bei 45° Einkerbungen, die bei 47° unter Aufblähen des Ge- bildes wieder verstreichen. Dieser Vorgang läfst sich nur verstehen, wenn man eine Membran annimmt, welche das Körperchen umhüllt. Die Einkerbungen, die man so häufig zu sehen Gelegenheit hat, sind nichts als regelmäfsige Falten. Unregelmäfsiger pflegen die Falten aufzutreten, wenn man die Blutkörperchen mechanisch mifshandelt; sehr charakteristisch sind sie an den grofsen Blutkörpern des Holmes (Proteus), wo der Faltenwurf an zerknitterten Seidenstoff erinnert. Das Vorhandensein einer Membran erklärt auch das erwähnte plötzliche Hervorschielsen langer Fortsätze, die nur dadurch entstehen können, dafs unter dem Einfluls der Wärme (resp. von Reagentien) die Membran an einer oder mehreren Stellen einreifst und nun vermöge ihrer Elasticität einen Theil des Inhalts ausprefst. Bei 50° ziehen sich die bis dahin noch nicht zerstörten Blutkörperchen stark in die Länge, wobei eine Depression rings um die Gegend des Kernes sehr deut- lich hervortritt. Bei 52° verschwindet diese Depression an dem einen Ende, indem dieses sich etwas aufbläht. Er- wärmt man noch stärker, bis zu 60°, so verkürzen sich die Körper wieder, werden biseuitförmig und legen sich zu gro- fsen Gruppen aneinander. Später trennen sie sich von neuem und blähen sich stärker auf. Der Kern wird dann manchmal durch zwei an der weit abstehenden Membran befestigte Fäd- chen in der Schwebe gehalten. Schliefslich folgt die Auf- lösung, die Membranen legen sich polyedrisch aneinander, und das ganze Gesichtsfeld wird, jedenfalls in Folge der Gerinnung von Eiweifssubstanzen , körnig getrübt. Wenn rothe Blutkörperchen sich aufblähen, was bei den verschie- densten Temperaturen vorkommen kann, so schlägt sich rings um den Kern eine Schicht körniger Substanz nieder. An der Innenfläche der Membran des Blutkörperchens wurde kein Niederschlag bemerkt, während Reichert dies bei Anwen- dung von Salpetersäure beobachtete (Über die neueren Re- formen in der Zellenlehre, Beicherl's u. du Bois-Rejmond' 's Archiv 1863). Ahnliche Erscheinungen wie die oben be- schriebenen treten auch beim Erwärmen von Säugethierblut auf, wovon hauptsächlich das plötzliche Hervorschiefsen der langen Fortsätze zu erwähnen ist. Da nun in dem einen Falle, wo dieses Phänomen sich zeigt, beim rothen Blutkörperchen des Frosches nämlich, eine Membran zuge- gen ist, welche die Eigentümlichkeit der Erscheinung be- dingt, so mufs der Rückschlufs gemacht werden, dafs auch in dem andereii Falle , wo dasselbe Phänomen erscheint, 7 20 17. Juli 1866. beim rotlien Blutkörperchen .t spateiförmig, allmählig in den Blattstiel verschmälert, stumpf. Die Blüthen stehen einzeln in den Achseln fast aller Laubblätter; unter der Bliithe entwickelt sich ein accessorischer Laubzweig. Der schlanke Blüthcnstiel erreicht fast die Länge des Blatts und biegt sich, seitlich aus der Blattachsel hervortretend, bis zur horizontalen Richtung, während der Fruchtreife selbst noch weiter nach unten. Die Blüthe ist etwas gröfser als bei 20. November 1866. 25 Linaria minor, weifs und leicht rosenroth gezeichnet. Die dünnwandige Kapsel erinnert durch ihre kugelige Form, Gröfse und Farbe an die Kapsel von Anagallis arvensis. Die zweite Art, Sc/uv. sphaerocarpa, befindet sich im Kgl. Herbarium unter dem Namen Antirrhinum sphaerocarpum Boissier und ist ohne Zweifel identiseh mit Linaria sphae- rocarpa Bentham in De Cand. Prodromus. Sie wächst in Afghanistan (Griffith) und dem benachbarten Sind (Stockes), bat einfache, bogig niederliegende, ziemlich dicht beblätterte Zweige, sehr breite, verkehrt eiförmige, spitze Blätter, kurzgestielte Blüthen, welche, ebenso wie die Früchte, mehr als doppelt so grofs sind, als bei der ersten Art. Herr Dönitz sprach über eine an der Rückenflosse und Afterflosse bei Fischen aus der Familie der Teuthyes vor- kommende Hemmungsvorrichtung, welche geeignet ist, die Flossenstrahlen, nachdem sie durch Muskelwirkung aufge- richtet sind, ohne weitere Beihülfe der Musculatur in ihrer Stellung zu erhalten. Der erste Flossenträger läuft nämlich in zwei, durch einen tiefen Einschnitt getrennte, hinterein- ander liegende Fortsätze aus , von denen der hintere eine grofse Scheibe trägt, die so orienlirt ist, dafs ihre beiden Seiten den beiden Seiten des Fisches entsprechen. Unter- halb der Scheibe geht jederseits ein kleiner seitlicher Gelenk- fortsatz ab, mit dem zwei seitliche Gelenkfortsätze des ersten Flossenstrahles articuliren. Die Basis dieses letzteren ist stark aufgetrieben und von unten und hinten her kuppei- förmig ausgehöhlt. Diese Kuppel wölbt sich über den obe- ren Abschnitt der Scheibe und rotirt auf der Peripherie derselben. Ferner entspringt oberhalb der Basis des ersten Flossenstrahles ein starkes elastisches Band, welches sich an die Vorderseite des zweiten Strahles anheftet. Sind nun die Strahlen durch die an die Vorderseite derselben sich anheftenden sehr kräftigen Muskeln aufgerichtet, so tritt dieses Band in Wirksamkeit und prefst die Kuppel des er- sten Strahles mit solcher Energie gegen die Peripherie der Scheibe, dafs die schwachen, zum ^Niederlegen der Flossen bestimmten Muskeln ihre Wirksamkeit versagen. Damit die Flossen wieder zurückgeschlagen werden können , ist es nöthig, zuvor die Hemmungsvorrichtung aufser Thätigkeit zu setzen, und dies geschieht durch Erschlaffung des elasti- schen Bandes. Ein eigener, starker Muskel, welcher vom zweiten Flossenträger entspringt, zieht schräg nach vorn und schlägt sich über die erste von den senkrecht gestellten, seitlichen Knochenleisten hinweg, welche in der Familie der Teuthyes die Flossenträger so sehr auszeichnen. Da die Sehne dieses Muskels sich wieder rückwärts wendet und an die Vorderfläche der Basis des zweiten Flossenstrahles heftet, so vermag sie diesen nach vorn zu ziehen und somit das erwähnte Band zu erschlaffen. Die oberen Fasern des Li- gaments, welche nicht zur Feststellung der Flossen beizu- tragen scheinen , ziehen dann vermöge ihrer Elasticität den ersten Strahl rückwärts, und nun können die hinteren Mus- keln der Flossenstrahlen ihre Wirksamkeit entfalten und die Flosse zurücklegen. Diese Vorrichtung wurde vorläufig bei folgenden Fischen constatirt: Prionurus scalprum C. u. Val. und Acanthurus nigrofuscus Forsk., beide auf der ost-asiati- schen Expedition von den Stabsärzten Herren Friedel und Stephany für das vergleichend -anatomische Museum ge- sammelt. Acanthurus velifer und lineatus, von den Herren Hemprich und Ehrenberg im rothen Meer gesammelt. Acanthurus annu/aris und Amphacanthus (Teuthys Günth.) abhortani C. u. Val., von Herrn Peters aus Mozambique mitgebracht. Ferner Teuthys virgata Günth. und Naseus unicomis. Ob dieser Apparat zur Feststellung der Rücken- und Afterflosse allen Teuthyes zukommt, konnte wegen Mangels an hinreichendem Material nicht entschieden werden. Desgleichen blieb es ungewifs , ob diese Vorrichtung sich immer an beiden genannten Flossen zugleich findet. So viel aber geht aus dieser Beobachtung hervor, dafs die Fa- milie der Acronuridae Günth., umfassend die Genera Acan- thurus und Acronurus, mit Unrecht von den Teuthyes ab- gezweigt worden ist. Herr S. Sander machte folgende Mittheilung über den Verlauf der Cornmissura cerebri anterior: Blainville, Longet und Graticlet gaben an, dafs beim Menschen und bei den Affen die vordere Hirncommissur mit allen ihren Fasern in die mediale Wand des Schläfenlappens ausstrahle, während sie dagegen bei allen übrigen Säugethieren sich in die Riechlappen verfolgen lasse. Ein so verschiedenes Ver- halten eines gleichartig angelegten Organs in verschiedenen Ordnungen einer Thierklasse mufste höchst auffällig erschei- nen und zu Bedenken Aulafs geben. In der That haben deshalb angestellte, genaue Untersuchungen ergeben, dafs dem keineswegs so ist. Von der vorderen Commissur der niederen Säugethierordnungen zweigt sich ziemlich früh, noch während des Verlaufs durch die Corpora striata, bevor sie ganz nach vorn umbiegt, um in die Riechkolben zu ge- langen , ein feines Bündel ab , das sich direct nach aufsen wendet und bis in die mediale Wand des Schläfenlappens zu verfolgen ist. Bei den Affen (ähnlich wird es sich auch beim Menschen verhalten) geht zwar der Haupttheil der Commissur in die Schläfenlappen, aber ein feiner Zweig wendet sich nach vorn und unten und läfst sich bis in den hier kleinen Riechkolben präpariren. Das Verhältnifs ist '26 20. November 1866. demnach folgendes: Die vordere Commissur geht auf beiden Seiten des Gehirns sowohl in die Riechkolben, als auch in die mediale Wand des Schläfenlappen« bei allen Säugethie- ren. Da nun auch die sog. äufsere Wurzel des Olfactorius stets nach der Spitze des Schläfenlappens hinzieht, so er- scheint dadurch bewiesen, dafs dafs die C. anterior aus- schliefslich oder wenigstens zum grofsen Theil für das Ge- ruchsorgan vorhanden ist und für die Olfactorii eine gleiche Holle spielt, wie das Chiasma für die Optici. Zu unter- suchen bliebe noch, ob diese Commissur nicht vielleicht (wahrscheinlich ist es so) eine Decussation darstellt zwischen Fasern, die vom Schläfenlappen der einen Seite zum Riech- kolben der andern Seite und umgekehrt ziehen. Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: 1) Memoire* de l'Acad. Imp, des sc. de St. Pctersbourg. T. IX. N. 1 bis 7. T. X. N. 1. 2. 2) Bullelins de l'Acad. Imp. des sc. de St. Pctersbourg. T. IX. N. 1 bis 4. 3) Philippo Pariatore, Le Specie dei Cotoni. 4) Ehrenberg üb. das Infusorien-Lager in Berlin. Ausz. aus d. Monatsber. d. Ak. d. W. 5) Jahresbericht d. naturf. Gesellsch. Graubündten, neue Folge. Jahrg. XI. 1866. 6) Abhandl. der Schles. Gesellsch. Abtheil, für Naturw. 1865. 1866. Phil. hist. Abth. 43. Jahresb. 7) Annales des Sciences phys. et nat.de Lyon. S. III. T. VIII. 8) Memoria sobre el Maguey Mexicano (Agave Max.) 9) Singapore, Malacca, Java, Reiseskizzen von Ja gor. 10) Jahrbuch des naturh. Landesmuseums von Kärnthen. Heft 7. 1864. 11) Monatsber. der Rerl. Akad. d. W. März bis Juni 1866. 12) Über d. Durchgang d. Wärme und Lichtstrahlen durch Platten von Dr. II. Knoblauch. 1866. 13) Berliner Entomologische Zeitschrift. Jahrg. 9. 1865. Heft 1 bis 4. Jahrg. 10. 1866. Heft 1 bis 3. 14) Astronomische Beob. auf d. Kgl. Sternwarte v. Encke. Bd. 1. 1840. Bd. 2. 1844. Bd. 3. 1848. Bd. 4. 1857, überreicht von Herrn Prof. Foerster. Gedruckt in der Druckerei der König!. Akademie der Wissenschaften. Sit zungs-Beri clit der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin am 18. December 1866. Director: Herr Geh. Regierungsrath Professor Magnus. Nachdem der zeitige Direktor die Sitzung eröffnet hatte, besprach Herr Ascherson die Scrophulariaceen- Gattung Antkliaris Endl. Eine Art derselben wurde zuerst von Salt in Abyssinien gefunden und von R. Brown Meisar- rhena lomentosa genannt; die Beschreibung blieb indefs unveröffentlicht, ebenso die Benennungen der deutschen Reisenden Ehienberg und Hemprich, welche später die- selbe Pflanze in Arabien fanden und Dislemun campanularis nannten, welcher sie noch zwei Arten, D. g/andu/osus und angusiifolius, hinzufügten. Die Salt sehe Pflanze wurde zum dritten Male, ebenfalls in Arabien, von W. Seh im per gesammelt und anfangs von Hochstetter und Steudel Capraria arabica, bald aber von Endlicher als Typus einer neuen Gattung Anticharis arabica genannt, und von Letzterem durch eine vortreffliche Abbildung und Beschrei- bung erläutert. Gleichzeitig führte indefs Endlicher den Dislemon angustifolius E. u. H. als eigene Gattung Dora- tanihera Benth. in litt, in einer anderen Tribus auf, welche, obwohl später von Benth am in die Nachbarschaft von Anticharis gebracht, dennoch bisher mit Unrecht wegen angeblicher Verschiedenheiten im Bau der Staubbeutel auf- recht erhalten wurde, welche aber viel zu gering sind, um, bei der völligen Übereinstimmung in allen wesentlichen Merkmalen, eine generische Trennung zu gestatten. Hoch- stetter hat daher in einer brieflichen Mittheilung an Prof. Braun diese Art mit Recht zu Anticharis gestellt. Die geographische Verbreitung der bisher bekannten drei Arten, welche mithin schon von Ehrenberg und Hemprich entdeckt wurden, ist folgende: 1) Anticharis glandulosa Aschs. {Dislemon g. Ehrb. U. Hempr.), bisher nicht von A. arabica Endl. unterschieden, von der sie durch kräfti- geren, mehr ausgebreiteten Wuchs, längere drüsige Beklei- dung, breitere Blätter, gröfsere Blüthen und Kapseln, die etwa V- 2 so lang als der Kelch sind (bei A. arabica dop- [1866] pelt so lang) abweicht, bisher gesammelt: Küstenländer des rothen Meers in Oberägypten (Seh wein furth), im glücklichen Arabien (Ehrenb. u. Hempr.), Aden (Wi- chura), aufserdem in Scinde (Stocks.). 2) Anticharis arabica Endl. Nubische Küste (Seh wein f.); Abyssinien (Salt, Ehrenb. u. Hempr.); im glücklichen Arabien (Eh- renb. u. Hempr., Schimper). 3) A. linearis Höchst. {Dnratanthera l. Bentham). Capverdische Inseln (Vogel, Schmidt, Bol le); Senegal (Leprieur, Lelievre); Kordofan (Kotschy, Cienkowski); Nubien (Grant, Schweinf.); Arabien (Ehrenb. u. Hempr., Botta); Pendjab (Edge- worth). Ferner legte derselbe einen auf einem Serradella-Felde bei Wendeberg unweit Pn'tzerbe (zwischen Brandenburg und Rathenow) vom Cand. theol. R. Hülsen mit Ornithopus compressus L. gesammelten Bastard dieser Art nnd der Serradella (0. sativus Brot.) vor, welcher der letzteren Art ähnlicher ist, sich aber durch kleinere, hellgelbe, beim Ver- welken röthliche Blumenblätter und die Fahne, welche die Flügel beträchtlich überragt, sofort unterscheidet. Die Glie- der der Hülse sind nur zum Theil, nämlich die 1 — 4 un- tersten, ausgebildet. In Gesellschaft dieses bisher noch nicht bekannten Bastardes fand der Entdecker auch die bei uns bisher noch nicht eingeschleppt gefundenen Arten Ornithopus ebracteatus Brot, und Andrya/a integrifolia L. Herr Hofmann machte einige Mittheiluneen über neue Beobachtungen in der Naphtylreihe. Er erinnerte zunächst an die durch Mitscherlich festgestellten Be- ziehungen zwischen dem Kohlenwasserstoffe Benzol und der Benzoesäure und an das Zerfallen der letzteren unter dem Einflufs starker Basen in Benzol und Kohlensäure. Die Idee lag nahe die Existenz einer Säure zu vermuthen, welche zu dem Naphtalin, diesem verbreitetesten Kohlenwasserstoffe der trocknen Destillation der Steinkohle, in demselben Ver- 10 28 18. December 1866. hältnisse steht, wie die Benzoesäure zu «lern Benzol. Diese Säure, welche man vielfach darzustellen versucht hat, ist von dem Berichterstatter in jüngster Zeit aufgefunden wor- den. Man erhält sie durch eine Reihe von Umbildungs- processen aus dem Naphtylamin, welches für die Zwecke der Farbenindustrie gegenwärtig fabrikmäCsig bereitet wird. Die Säure ist eine schön krystallisirte in Wasser schwer- lösliche Substanz, welche mit Baryt destillirt sich in Naph- talin und Kohlensäure spaltet. Herr Ilensel sprach über einige Schwierigkeiten, die sich der Aufstellung der Zahnformeln für Säugethiere ent- gegenstellen. Es ist eil) Fehler, wenn, wie gewöhnlich geschieht, der Unterschied zwischen Praemolaren und Mo- laren bei herbivorem und Omnivoren) Gebils festgehalten wird, bei dein der Carnivoren dagegen der Reifszahn noch eine besondere Berücksichtigung erfährt, da er im Ober- kiefer zu den Praemolaren, im Unterkiefer dagegen zu den Molaren gehört. Einige Gruppen der Säugethiere wechseln die Zähne schon vor der Geburt. Für die Cavien ist dieses schon von Rousseau nachgewiesen worden. Hier ist der einzige Milchbackenzahn, obgleich rudimentär, doch ziemlich COmplicirt, indem er noch eine Faltenbildung zeigt, die an die des Ersalzzahnes erinnert. Für Hydrochoprus nahm man bisher wegen der Verwandtschaft mit Cavia ein ähn- liches Verhalten an. In der Thal findet hier auch ein Zahnwechsel während des embryonalen Lebens statt, nur noch viel früher als bei Cavia, ungefähr wenn der Foelus die halbe Gröfse erreicht hat. Aul'serdem ist der einzige Milchbackenzahn in jedem Kiefer nur ein winziges Körnchen und bei Praeparaten in "Spiritus, wegen der Durchtränkung mit letzterem, schwer zu finden. An foelalen Schädeln von Cavia und Hydrochoerus wurden die Verhältnisse des Zahn- wechsels demonstrirt. Herr Zenker referirte seinen im Archiv für mikrosko- pische Anatomie 1866 enthaltenen Aufsalz über Infusorien. Er erklärte die pulsirende Blase für ein Wasser aussondern- des Organ, welches aller Wahrscheinlichkeit der Athniung diene und führte zur Erhärtung seiner Ansichten Beobach- tungen, besonders an Actinaphrys Eichhornii und Bursaria leucas, an. Er machte ferner auf den eigentümlichen Bau der Saug-Arme der Acineten, besonders von Acineta ferrum equinum aufmerksam, deren Bewegungen ein complicirtes Muskelsystcm zu verrathen scheinen. Ein ähnlicher Bau findet sich im Stiele der Vortirellen. Endlich beschrieb derselbe ein mit den Acineten verwandtes Infusor, welches an Cyclops Qoronalus Claus angeheftet lebt. Dasselbe zeich- net sicli durch einen sehr langen und beweglichen Bussel aus und ist delswegen llhyiichela Cyclo/tum genannt worden. Herr Ron che' sprach über den Schlaf einiger Pflanzen. Bis jetzt sei dieser eigentümliche Zustand nur an Pflanzen mit zusammengesetzten Blättern beobachtet, in neuerer Zeit habe man das Schlafen auch einer Graminee, des Slrephium guianense, im Jardin des plantes in Paris wahrgenommen, welches seine Blätter gegen Abend nach oben, gegen den Stengel legt; ihm sei das Schlafen auch bei Pirnelea s/iecta- bilis und einer noch unbenanuten Me/a/euca, die der eru- bescens nahe verwandt ist, vorgekommen, indem beide Pflanzen ihre Blätter gegen Abend dem Zweige zuneigen, und alsdann ein ganz anderes Bild als zur Tageszeit bieten. Diese Bewegung der Blätter sei besonders im Sommer an jungen Zweigen wahrzunehmen, — Ferner legte derselbe Blätter der Hulesia tetraplera vor, an denen sich einzelne Seitennerven besonders stark ausgebildet hatten, wodurch auch die Lamina verbreitert war und so der Anfang eines buchtigen oder gelappten Blattes dargestellt wurde. Ähn- liches finde sich auch bei Heus heterophylla. der in der Begel nur mit starken Zähnen versehene Blätter habe, nur bisweilen trete ein spitziger Lappen aus dem Rande der Blattfläche hervor, wo alsdann der dahin gehende Seitennerv bedeutend länger als die andern sei. — Endlich legte der- selbe noch Ficus sti/mlacea vor und zwar die kletternde und die fruchttragende Form. AK Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Monatsberichte der Akad. d. Wissensch. Juliheft 1866. Beiträge zur Naturgeschichte der Infusorien (Separatabdruck) von Dr. W. Zenker. Die Spiralfasern im Sympathicus des Frosches (Separat- abdruck) von Dr. J. Sander. Botanische Ergebnisse aus dem Dänenkriege von Dr. J. Sander. Gedruckt iu der Druckerei der Königl. Akademie der \\ lssenschaflen. Date Due -2-LJ948 HCl L 2 1951 Harvard MCZ Library Hl I I | 3 "2044 066 304" 866