>2> _^5w &ß>Msam ^^js^r ups»: 6£S f ibrarg of % gtuseum OF COMPARATIVE ZOÖLOGY, AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, HASS. The gift of tjhx. Nö.3?32 SITZUNGS - BERICHTE DER GESELLSCHAFT NATURFORSCHENDER FREUNDE ZU BERLIN, JAHRGANG 1880. BERLIN. In Commission bei R. Friedländer und Sohn. NW. Carl-Strasse 11. roductus L., Branchipus Grübet Dyb. und Limnetis brachyura Grübe. Herr W. DAMES bemerkte unter Vorlage eines sub- fossilen Crocodil-Humerus von Madagascar Fol- gendes: Wie den Mitgliedern der Gesellschaft durch der Vortrag und die Vorlagen des Herrn Dr. E. Koken in der Aprilsitzung bereits bekannt ist, hat das hiesige Mineralogische Museum durch Ansammlungen subfossiler Knochen, welche Hildebrandt auf Madagascar vorgenommen hat, eine wesentliche Bereiche- rung erfahren. Den Hauptbestandtheil bilden zahlreiche Ske- Sitzung vom 18. Mai 1886. 69 letreste des Hippopotamus madagascariensis , dessen Beschrei- bung wir Guldberg ') verdanken. — Mit ihnen wurden mehrere Skelettheile eines grossen Vogels gesammelt, welcher einer wahrscheinlich noch unbeschriebenen, jedenfalls relativ kleinen und zunächst mit Aepyornis modeslus Milne Edwards et Gran- didier 2 ) zu vergleichenden Art angehört. Da unter diesen Resten sich solche befinden, welche von Aepyornis bisher noch gar nicht bekannt sind (wie z. B. das Becken), oder solche, welche nur als Fragmente beschrieben wurden, nun aber voll- ständig vorliegen, so lag es nahe, diese einem eingehenderen Studium zu unterziehen. Damit beschäftigt, fand ich in der citirten Abhandlung von Gdldberg, pag. 4, dass mit den von ihm beschriebenen Flusspferdresten auch das proximale und das distale Ende des Oberarms eines Vogels gefunden seien und wahrscheinlich dem ausgestorbenen Riesenvogel Aepyor- nis angehört hätten. Da vom Humerus des Aepyornis bis- her noch nichts bekannt ist, so erregte diese Notiz mein lebhaftes Interesse, und das um so mehr, als die Materialien, welche in die Sammlung der Universität in Cristiania gekom- men sind, von nahezu derselben Localität wie die hiesigen stammen. Die genauere Untersuchung des mir durch die dan- kenswerthe Freundlichkeit der Herren 0. Sars und G. A. Guld- berg übersandten Stücke hat jedoch ergeben, dass dieselben einen Crocodil-Humerus darstellen, und zwar passen die beiden Fragmente an einander, d. h. es fehlt die Diaphyse nicht, wie Herr Güldberg aufzunehmen geneigt und durch diese Annahme auch wohl zu der oben erwähnten Deutung gekommen war. Wenn sich auch aus diesem vereinzelten Humerus die Art, zu welcher derselbe gehört hat, nicht wird feststellen lassen, so spricht doch die Localität und die Vergesellschaftung mit Hip- popotamus ?nadagascariensis und Aepyornis sp. sehr dafür, dass Crocodilus robustus Vaillant et Grandidier vorliegt, welcher ja für eine Art aufgestellt wurde, die zuerst mit den genannten l ) Undersögelser over en subfossil flodhest fra Madagascar. Chri- stiania. (Vid.-Selsk. Forh. 1883. No. 6.) -) Nouvelles observations sur les caracteres zoologiques et les affini- tes naturelles de l'Aepyornis de Madagascar. (Auoales des sciences naturelles, 5. serie, XII. (1869), pag. 180). 5* 70 Gesellseh aft natu r forsch en der Fre un de. Thieren zusammen und nun vor kurzem noch lebend aufgefun- den wurde. Dieselbe bewohnt die Seeen des Innern, die zweite, mehr dem Nil - Crocodil verwandte — Crocodilus madagasca- riensis — nach Humblot die Flussmündungen und Küsten- Die vorstehende Notiz wurde namentlich auch striche *). deshalb veröffentlicht, um zu constatiren. von Aepgornis noch nicht bekannt ist. dass der Humerus Herr WEISS trug über die Sigillarienfrage Mitthei- lungen vor, welche sich an die in der Februarsitzung der Ge- sellschaft (s. pag. 6) gegebene Darstellung anschliessen. In Folge der dortigen Behauptung, dass jene berühmte verkieselte Sigillaria von Autun, welche Brongniart und Renault anato- misch untersuchten, die Brongmart als S. elegans, Renault aber als Menardi bezeichneten, nicht zu den Cancellaten, son- dern zu den Favularien der Abtheilung Rhytidolepis gehöre, wie die Figuren von Brongmart (s. Copie derselben auf pag. 9) beweise, hat Herr Renault die dankenswerthe Güte gehabt, dem Vortragenden eine in doppelter Vergrösserung ausgeführte Photographie des Blattnarben tragenden Theiles des Autuner Originales zu schicken. Diese lehrt in der That die Richtig- keit der Angabe von Renault, dass hier nicht S. elegans, auch nicht eine nahe Verwandte davon, sondern eine Form, welche man der S. Menardi wird anreihen dürfen, vorliege, dass dagegen die Figur von Brongniart total falsch sei. Nach jener Photo- graphie ist der hier beigegebene Holzschnitt entworfen. Sigillaria Menardi von Autun, 2 fach vergrössert. Comptes rendus etc. Tome 97 (1882), pag. 1081. Sitzung vom 18. Mai 1880. 71 Renault hatte schon in seinem Cours de botanique fossile I. annee (1881), Taf. 18, Fig. 7 eine Zeichnung des obigen Stückes von Autun gegeben, auf pag. 143 besprochen, aber noch als S. elegans bezeichnet. S. Menardi nennt er sie zu- erst in demselben Werke III. annee (1883), pag. 14, während Zeiller (Ann. des Sciences nat., 6. ser. Hot. t. XIX. (1884), pag. 259) in der Abhandlung, worin er die Fruchtähren der Sigillarien beschreibt, sich jener Bestimmung der Sigillaria von Autun als S. Menardi anschliesst und Gründe dafür geltend macht. Der anscheinend so klaren Figur von Brongntart ge- genüber hatte der Vortragende diese Bestimmung nicht für richtig gehalten und die Meinung festgehalten, dass jene ana- tomische Untersuchung an einer Favularia, d. h. einer echten Sigillaria (RhytidolepisJ ausgeführt sei. Dies ist aber nach dem vorliegenden photographischen Beweise nicht der Fall und es ergiebt sich, dass die specifisch bestimmbaren Sigillarien, welche bisher anatomisch untersucht sind (von Renault und Bron- gniart), nur die eine aus der Abtheilung der Cancellatae, die andere aus der der Leiodermariae stammen, deren Structur es ist, welche als Gymnospermenstructur von Renault bezeichnet wird. Geognostisch würde von diesen Abtheilungen zu sagen sein, dass die Cancellaten etwas jünger sind als die anderen, insofern sie erst in jüngeren Schichten der s. g. productiven Steinkohlenformation häufiger gefunden werden und dann zu den charakteristischen Formen dieser Schichten und des Roth- liegenden gehören, dass dagegen die Rhytidolepis ihrer grossen Mehrzahl nach in den älteren Schichten der productiven Stein- kohlenformation auftreten. Was den Vortragenden hindert, sich der neuesten Renault* sehen Annahme anzuschliessen, dass die Sigillarien derart zu spalten seien, dass die Leiodermarien und Cancellaten Gym- nospermen, die Rhytidolepis aber Kryptogamen darstellen, ist einmal der Umstand , dass die von Renault beschriebene und von den ZEiLLER'schen so abweichende Aehre, welche Renault einer Cancellate zurechnet, nicht als zu Sigillaria gehörig er- wiesen ist, auch ihre Organisation vielleicht noch anderer Deu- tung fähig wäre, andererseits aber, dass die Scheide zwischen den Abtheilungen der Cancellaten und Rhytidolepis unter den 72 Gesellschaft naturforschender Freunde. Sigillarien doch keineswegs scharf ist, sondern dieselben durch sehr entschiedene Mittelglieder eng verbunden werden. Diese letzteren finden sich bei den Favularien, die durch den Zickzackverlauf der Längsfurchen und durch horizontale, geschlossene Polster abschnürende Querfurchen ausgezeichnet sind. Wenn dieser Zickzack sehr spitz wird, die Querfurchen an Länge abnehmen, so entstehen mehr und mehr rhombische Polster, die zuletzt eben nur noch durch Gitterfurchen von einander geschieden werden wie bei den Cancellaten. Es giebt Fälle, wo die Querfurchen ganz oder fast ganz verschwunden sind, aber die Zickzackfurchen noch deutlich als Längsfurchen erkannt werden, andere, wo auch diese äusserlich abnehmen. In den meisten Fällen hilft dabei die Beschaffenheit des Stein- kernes oder die Innenseite der Rinde, auf der dann noch Längs- furchen, und zwar ohne Zickzack, sichtbar sind. Dieses Merk- mal wird auch von den beiden Pariser Forschern für die Rich- tigkeit der Bestimmung der Sigillaria von Autun als S. Menardi statt S. elegans benutzt, indem unter der Rinde an ihr nichts von Längsrippen oder Furchen wahrnehmbar ist. Indessen ist dieser letzte Unterschied zwischen Cancellaten und Rhytidolepis nicht ohne Ausnahme. Hierfür wurden Belege vom Vortragen- den beigebracht. Ein vom Vortragenden bei Stadniowes bei Schlau in Böh- men gesammeltes Stück enthält neben einander zwei Abdrücke (zum Theil mit Rinde) einer Sigillarie, wovon der eine deut- lich Längsrippen zeigt, der andere aber keine Spur davon. Dabei stimmen im Uebrigen die 2 Exemplare so durchaus in allen Merkmalen sonst überein, dass es nicht möglich scheint, sie für verschiedene Species aus 2 verschiedenen Abtheilungen zu erklären. Diese Merkmale sind bis auf geringe Dimensionen übrigens ganz in Uebereinstimmung mit denen von S. Menardi, die also hier einmal mit deutlichen Längsrippen auftritt. Origi- nal und Zeichnungen erläutern dies. Aus einer grössern Reihe von Sigillarien-Zeichnungen, die der Vortragende hat herstellen lassen, wurden einige Beispiele von Favularien vorgelegt, welche einerseits durch starken und sehr spitzen Zickzackverlauf und Zurücktreten der Quer- furchen bis zum Verschwinden die oben erwähnte Annäherung Sitzung vom 18. Mai 1886. 73 an Cancellaten zeigen, dabei aber doch die starken Längs- furchen und Rippen behalten. Andrerseits sind darunter aber auch Fälle, wo die Längsfurchen sowohl auf als unter der Rinde verschwinden und zwar theils bei solchen mit nahezu querrhombischen Polstern und sehr kleinen oder fehlenden Querfurchen , theils aber auch bei anderen mit wohl ausge- prägten Querfurchen und sechseckiger Gestalt der Polster. Endlich wurde auch die jetzt wichtig gewordene Species S. Menardi näher definirt. Sie erscheint nicht blos durch Kleinheit der Narben und Polster von der ähnlichen S. Brardi Bkongn. verschieden, sondern wesentlich dadurch, dass bei gleicher Form der Blattnarben die Polster nur sehr schmal diese Narben umranden, während das Polster bei S. Brardi viel breiter ist, die benachbarten auch oft nicht so vollkommen geschieden sind. Die bekannt gewordenen Exemplare von S. Menardi tragen keine Einkerbung an der Spitze der Narben. Zu S. Menardi rechnet der Vortragende ausser den 2 Stücken in Brongniart's histoire etc. das Exemplar von Autun, das von ihm beschriebene von Alsenz in Rheinbaiern (s. pag. 9, Fig. 2), das von Studniowes bei Schlan in Böhmen, endlich auch noch die von A. Römer und Osw. Heer als S. Preuiana Rom. beschriebene Exemplare (nebst einem von Sterzel er- wähnten in Dresden aufbewahrten desselben Fundortes) von Neustadt am Harz (Ilfeld). Das von Heer beschriebene hat die grössten, das von Studnioves die kleinsten Polster und Narben. Es messen nämlich in der grössten Breite und Höhe bei dem Exemplar von Ilfeld nach Heer die Polster etwa 12:9—10 mm, die Blatt- narben 8:7 mm (S. Preuiana), Ilfeld nach Römer die Polster etwa 8:6 mm, die Blattnarben 5,6:4,5 mm (S. Preuiana), Ilfeld nach Sterzel die Polster etwa 8:5 mm, die Blattnarben 5.3:4,3 mm (S. Preuiana), Alsenz nach Weiss die Polster etwa 7,5:5,2 — 5,5 mm, die Blattnarben 5,7:4,2—4,3 mm, Autun nach Renault die Polster etwa 6:3 mm, die Blattnar- ben (?) 3,9—3,6:2,1 (Photographie), 74 Gesellschaft naturforschender Freunde. Schlannach Weiss die Polster, des einen Exemplars 5 : 3 — 3,2 mm, die Blattnarben 4:2,5, Schlan nach Weiss die Polster, des anderen 4:2,4 — 2,5 mm, die Blattnarben 3,1:2,3 (var. costata). Noch muss hinzugefügt werden, dass das Stück von Antun eine kleine Verschiedenheit von allen übrigen zeigt, insofern es Blattnarben mit etwas spitzeren Seitenwinkeln hat, als die an- deren, deren Narben subquadratisch genannt werden können. Man könnte dafür eine Beichnung jenes Stückes als var. Au- tunensis geltend machen. Herr GOTTSCHE legte Lithoglyphus naticoides Fer. aus dem unteren Diluvium von Berlin vor. Im Südwesten Berlins, in der Tivolibrauerei am Kreuz- berge sind neuerdings mehrere Bohrlöcher gestossen, welche ein besonderes Interesse beanspruchen können. Erstens ist in denselben (in 68 — 74 m unter Terrain — 50 — 56 m unter Berliner 0) wiederum die Paludinenbank des untersten Dilu- viums angetroffen worden, und zwar unter ähnlichen Umstän- den, wie früher, nemlich etwa 35 m unter der Unterkante des unteren Geschiebemergels, und trotzdem selbst in 100 — 102 m unter Terrain = 82— 84 m unter nochmals von groben Kiesen mit nordischem Material unterteuft. Zweitens geben uns die Bohrlöcher der Tivolibrauerei zum ersten Male Aufschluss dar- über, mit welchen Arten Paludina diluviava Kunth vergesell- schaftet lebte, da diese characteristische und weit verbreitete Süsswasserform fast nur auf secundärer Lagerstätte vorkommt, und da in den beiden einzigen Fällen, wo dieselbe wirklich in situ beobachtet wurde (Paludinenbank von Rixdorf und der Gardekürassierkaserne cf. Berendt, Zeitschr. d. d. geol. Ges., XXXIV., pag. 453) von einer begleitenden Fauna Nichts ge- meldet wird. Eine grössere Probe, welche der Paludinenbank von Tivoli in 70 m unter Terrain = 52 m unter entnommen wurde, ergab beim Schlämmen ausser zahlreichen Paludinen aller Altersstufen noch: Bithynia tentaculata L. Valvata naticina Mke. Neritinu Jluviatdiz L. Sitzung von, 18. Mai 1886. 75 Lithoglyphus naticoides Fer. Unio sp. Pisidium amnicum Mü. „ pusillum Jen. Von diesen Arten sind Välvata naticina Mkr. und Neri- tina fluviatilis L. bisher nur äusserst selten im Diluvium der Mark beobachtet (vergl. Beyrich, Zeitschr. d. d. geol. Ges., XX., pag. 647; Friedel, Nachrichtsblatt, 1871, pag. 74; Rein- hardt, diese Berichte, 1877, pag. 175); Lithoglyphus naticoides FEr. aber ist überhaupt neu für unsere Diluvialfauna, sodass es angezeigt erschien , das einzige bisher vorliegende Exemplar dieser kleinen Deckelschnecke aus der Verwandschaft von Hy- drobia trotz seiner mangelhaften Erhaltung hier abzubilden. Dasselbe besitzt bei 5 mm Höhe und 4 mm Breite wenig über Lithoglyphus naticoides Fer. unter-diluvial von Tivoli. 3 Umgänge. Neben der eiförmig- kugeligen Gestalt ist der schmale Nabelritz und der starke callus der Innenlippe ein gutes Merkmal dieser Art, von welcher durch die Güte des Herrn von Martens zahlreiche recente Exemplare verglichen werden konnten. Lithoglyphus naticoides Fer. lebt gegenwärtig auch in Canälen bei Berlin und in der Warthe bei Küstrin, scheint aber erst vor 3 Jahren aus den südöstlich gelegenen Flussgebieten des Bug, Dnjepr, Dnjestr und der Donau in die Mark eingewandert zu sein (vergl. von Martens, diese Berichte, 1883, pag. 100). Durch diese Thatsache gewinnt das diluviale Vorkommen von Lithoglyphus eine erhöhte Bedeutung, indem es wiederum zeigt, dass selbst nachweislich in historischer Zeit eingewanderte (richtiger neu eingewanderte) Mitglieder unserer heimischen Fauna trotzdem in Wirklichkeit ursprüngliche In- sassen ihrer neuen Heimath sein können, die eben nur zeit- weilig aus ihren alten Wohnsitzen verdrängt waren (vergl. hierzu auch Nkiirino, diese Berichte, 1883, pag. 68). Es sei noch erwähnt, dass die ganze Ausbeute aus der Paludinenbank von 76 Gesellschaft nalur forschend er Freunde. Tivoli im königl. mineralogischen Museum hierselbst niederlegt worden ist. Herr VON MARTENS zeigte eine von Prof. Greeff ent- deckte Landschnecke der westafrikanischen Insel S. Tlieme, Thyr ophorella , vor, welche durch Umbiegen und Herabbiegen des oberen Mündungsrandes ihre Schaale zu schliessen vermag. Früher ausgesprochenem Zweifel gegenüber hat die Unter- suchung ergeben, dass das Thier wirklich eine Schnecke ist und eine Radula besitzt mit auffällig kleinem dreispitzigem Mittelzahn und Seitenzähnen mit äusseren Nebenzacken , der zuerst nach der Basis zu herabrückt, später wieder aufwärts und nun am sechzehnten verschwunden ist (Formel 54. 1. 54), wodurch sie sich an einige Zonitiden anschliesst. Die Schaale ist linksgewunden, durchscheinend weiss, glatt, oben flach, unten gewölbt und weit genabelt. Herr VON MARTENS zeigte ferner einige der von Dr. Gottsche in Japan und Korea gesammelten Land- und Süsswasser-Mollusken vor. Da die einzelnen Fundorte sehr genau angegeben sind und sich auf einen grossen Theil des mittleren und südlichen Japans vertheilen, namentlich auch auf die Insel Sikok, die bis dahin in dieser Beziehung ganz unbekannt war, so lässt sich an diesem Material die Verbreitung der einzelnen Arten innerhalb Japan weiter verfolgen als bis jetzt möglich war, und der Vortragende hofft darüber später noch Näheres mittheilen zu können. Neu für Japan ist die Gattung Hydrocena mit einer Art, deren Be- schreibung unten folgt. Unter den Landschnecken von Korea, deren nähere Untersuchung Dr. 0. von Möllendorff vorbe- halten bleibt, befinden sich einige kleine Clausilien und nur eine grössere Helix, welche eine Mittelglied zwischen den grös- sern Fruticicolen und der Gruppe Hadra darstellt, der //. Her- mannseni Phr. mindestens nahe verwandt. Repräsentanten der bunten japanischen //. jjeliomphala und Luhuana, die letztere noch auf Tsu-shima zahlreich, oder der nordchinesischen //. py- rohozona u. dgl. (Cathaina Mör-Ln.) wurden nicht gefunden; ver- Sitzung vom 18. Mai 1886. 77 mathlich ist die ungünstige geognostische Beschaffenheit des Landes Ursache dieser verhältnissmässig schwachen Ausbildung der Landschneckenfauna, Um so zahlreicher und auffälliger sind die Süsswasser-Mollusken. Eine grosse Mittelform zwi- schen Unio Grayanus und oxyrhynchus ist stellenweise sehr zahl- reich, ferner finden sich die charakteristischen chinesischen Arten Unio Leai , U. Douglasiae (Murchisonae) , mehrere Ano- donten, ziemlich viel Arten von Corbicula, Paludina Chinensis, Planorbis umbilicalis, Limnaea pervia und Swinhoei, im Allgemeinen also grosse Uebereinstimmung mit der chinesischen Fauna, die aber in diesen Süsswasserformen nicht viel von der japanischen abweicht , abgesehen von den eigenthümlichen Formen in den Seen des mittleren Gebietes des Yangtsekiang, deren Kennt- niss wir Herrn von Richthofen und dem französischen Missio- nar Heüde verdanken; diese fehlen ebensowohl in Korea als in Japan. Von besonderem Interesse ist ein rundlicher knotig-faltiger Unio mit sehr grossen Schlosszähnen, der auffällig an nord- amerikanische Formen erinnert, aber doch am nächsten mit dem chinesischen U. plumbeus Chemnitz verwandt ist; die Beschrei- bung folgt unten. Derselbe zeigt wiederum, dass die Fauna des mittleren Ost-Asiens manche Beziehung zu der nordamerikani- schen hat; Europa und West -Asien zeigen Unionen mit blei- benden starken Falten nur in der Tertiärzeit, aber die Höcker an den Wirbeln der lebenden sind gewissermassen ein Ueber- bleibsel davon, und so können wir die knotigen Unionen als früher circum bor ea 1, d. h. Europa, Nord-Asien und Nord- Amerika gemeinsam ansprechen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es besonders interessant, dass Dr. Gottsche einen re- centen Unio mit bleibender Skulptur nördlicher als bis jetzt aus Ostasien bekannt nachgewiesen hat, in gleicher Breite mit der unteren Hälfte des Ohio in Nord-Amerika, der ja beson- ders reich an solchen Arten ist. Beachtung verdient ferner eine Anzahl neuer Melanien aus Korea, auch mehrere mit aus- gezeichneter Skulptur und einige von den bis jetzt bekannten chinesischen sehr abweichend. Endlich ist noch eine etwas eigenthümliche Form der Limnaea auricularia zu erwähnen. 78 Gesellschaft naturforschender Freunde. Die erwähnten neuen Arten und Varietäten lassen sich folgendermassen characterisiren : 1. Hi/drocena Japonica. Testa conica, perforata, striatula, laete rubra, nitidula; anfr. 4V 2 valde convexi, regulariter crescentes, sutura profunda, discreti, ultimus aequaliter rotundatus; apertura valde obliqua, ovato-rotundata, peristomate acuto, recto, marginibus approxi- matis, callo junctis. Long. 2'/ 3 , diam maj. 1%, min. l l / 4 ; alt. apert. 1, diam. 1 mm. Torinosa bei Sagawa, Prov. Tosa. 2. Unio Coreanus. Testa crassa, rhombeo-ovata, sat convexa, medio nodulis solitariis, postice plicis obliquis noduliferis, superioribus brevio- ribus ascendentibus, inferioribus elongatis descendentibus sculpta, periostraco brunneo-flavo; vertices fere antici, margo anticus brevis rotundatus; margo ventralis antrorsum valde ascendens, postice subsinuatus; margo posticus deflexus breviter rostrat us. Dentes cardinales utrinque duo percrassi, magni, sulcati, pos- terior v. sinistr. et anterior v. dextr. majores, ille sulco bipar- titus, hie sulcis tripartitus; impressio muscularis antica per- profunda, rugulosa. Long. 90, alt. 64, crass. 43 mm. Verti- ces in ! / 7 longitudinis. Dent. card. usque ad 12 mm longi, 6% crassi. Im Hangang, 15 km oberhalb Söul in Korea. 3. Melania Gottschei. Testa cylindrico-ovata, decollata, striata, costis perpendi- cularibus latis (c. 10 in anfractu penultimo) bis interruptis nee ultra peripheriam descendentibus et ad basin cingulis elevatis 3 sculpta, periostraco olivaceo, nitido; anfr. superstites 3— 3V 3 lente latitudine crescentes; apertura ovata, dimidiam testae (decollatae) longitudinem oecupans, margine basali arcuatim re- cedente, columellari incrassato, albo. Long. 25, diam. 12, apert. long. 12, diam. 7 mm. Ilangang bei Söul, Korea. Aehnlich der M. Fuchsi Gkedler, aber durch die Unter- brechung der Vertikalrippen bald unterhalb der Naht, wodurch hier ein Knotengürtel entsteht, zu unterscheiden. "' 4. Melania forticosta. Testa oblonga, apice decollata, costis validis subporpendi- Sitzung vom 18. Mai 1886. 79 colaribus, circa 11 in anfr. ultimo et in penultimo, ceterum lineis elevatis obsoletis distantibus, ad basin plerumque magis dis- tinctis sculpta, virescenti-fulva, nitidula; anfr. superstites 4, sat lente crescentes; apertura diraidiam longitudinem testae (decollatae) non aequans, anguste ovata, superne acuta, mar- gine basali subangulatim producto, columellari incrassato albo. Long. 25, diam. 12, apert. long. 11, lat. 6V 2 mm. Mungyöng, Korea. 5. Melania Coreana. Testa ovata, apice decollata, leviter striatula et liris ele- vatis spiralibus obsoletis nonnullis cincta, passim varicifera, virescenti-fusca; anfr. superstites 4, superiores seriatim granosi; apertura l / 7 testae (erosae) occupaus, piriformis, margine basali subangulatim producto, columellari incrassato, albo, fauce saepius fusco-fasciata. Long. 27, diam. 14, apert. long. 15, diam. 8 mm. Hatangyöng am Naemingang, Korea. Erinnert in der allgemeinen Gestalt an die breiteren For- men von Melanopsis praerosa. 6. Melania nodifila. Testa late ovata, decollata, striatula, cingulis obtusis nodi- feris angustis 5, in anfractu penultimo 2 beiie conspicuis, tertio suturali, sculpta, obscure rufofusca; anfr. superstites 2, sat latitudine crescentes; apertura % testae (decollatae) occupans, sat obliqua, ovata, margine basali subaequaliter rotundato, m. columellari incrassato, pallide aurantio, fauce fusco fasciata. Long. 22, diam. 16, apert. long. 16, diam. 14 mm. Yong- songpo am Sejingang, Korea. Die braunen Bänder im Innern der Mündung entsprechen den Knotenreihen an der Aussenseite. 7. Melania globus. Testa globosa, decollata, striatula et lineis elevatis non- nullis perobsoletis sculpta, olivaceo-fusca; anfr. superstites 1 %, convexi, sutura profunda; apertura valde obliqua, a / 3 longitu- dinis testae (decollatae) occupans, subcircularis, margine basali aequaliter rotundato, subincrassato, margine columellari perin- 80 Gesellschaft naturforschender Freunde. crassato, pallide aurantio, fauce fuscofasciata. Long. 18, diam. 17; apert. long. 13, diam. 10 mm. Ebendaher. Paludomus ähnlich, aber doch den beiden vorhergehenden augenscheinlich trotz der abweichenden Form nahe verwandt, und auch dem Deckel nach eine Melania. 8. Limnaea auricularia var. Coreana. Intense fulva, plica columellari valde expressa, margine externo supra anguste arcuato, dein subito valde descendente, non expanso, spira prominente, apice obtusa. Long. 30, diam. maj. 23, min. 14 ] / 4 ; apert. long. 25, diam. 15 mm. Chang- jin, Prov. Hamgyöngdo, Korea. Herr NEHRING sprach über zwei Schädel des Sus longirostris Nehring von Borneo und Java. In der Sitzung vom 19. Mai 1885 habe ich auf eine neue Wildschwein-Art hingewiesen, welche ich nach einem von Fa. Grabowsky aus Südost-Borneo mitgebrachten männlichen Schä- del, sowie nach Angaben über das Aeussere des betr. Thieres als abweichend von S. barbatus und S. verrucosus unterscheiden konnte. Eine nähere Beschreibung jenes Schädels ist von mir, wie ich in der betr. Sitzung versprach , im „Zoologi- schen Anzeiger" geliefert worden ! ). Am Schlüsse dieser Be- schreibung sprach ich die Vermuthung aus, dass die von mir unterschiedene Species, welche ich wegen des auffallend langen und schmalen Schnauzentheils als Sus longirostris bezeichnet habe , wahrscheinlich auch auf Java und vielleicht auch noch auf einigen anderen Sunda-Inseln vorkomme, weil der von Sal. Müller u. Schlegel („Verhandelingen ; - etc., Tab. 32, Fig. 1 u. 2) abgebildete Schädel eines angeblichen Sus verrucosus von Java, sowie einige andere in der Literatur erwähnte Schädel aus dem Sunda -Archipel die Charaktere der von mir aufge- stellten Art zu zeigen scheinen. Diese Vermuthung hat sich jetzt in Bezug auf Java be- stätigt. Als ich kürzlich das Zoologische Museum der a ) Zoolog. Anzeiger, hcrausgeg. von v. Carus, 1885, No. 197, pag. 347-353. Sitzung vom 18. Mai 1886. 81 Universität Göttingen besuchte, fand ich in demselben den Schädel eines alten männlichen Wildschweins von Java, welcher (abgesehen von einigen individuellen und Alters-Unterschieden) völlig mit dem Schädel meines Sus longirostris von Südost-Bor neo überein- stimmt 1 ). Derselbe stammt von der Novara-Expedition, und zwar aus dem Nachlasse des Dr. Schwartz, welcher als Anthropologe an jener Ex- pedition Theil nahm. Herr Prof. Dr. Ehlers, der Direc- tor des genannten Museums, war so freundlich , mir den betr. Schädel zur genaueren Untersuchung und Verglei- chung zu übersenden, und ich bin somit in der Lage, Ihnen denselben nebst dem Original-Schädel von Borneo vor- legen zu können. Als Art -Charaktere, wie sie sich an den Schädeln alter Männchen dar- stellen, dürften folgende hervorzuhe- ben sein: 1. Die ausserordentlich langge- streckte, schmale Form des ganzen Schnauzentheils bei gleichzeitiger auf- allender Kürze des Thränenbeins. 2. Die Bildung einer stark ausge- prägten , schmalen Crista sagittalis, womit wohl die geringe Breite der Occi- pitalflügel zusammenhängt. Fig.- 1. 3. Die Hinterhauptsfläche und die Fig. 1. Schädel des S. lon- girostris Nehr., rf ad. von Borneo, von oben. Etwa 7s nat. Grösse. : ) Der Schädel von Java ist, wenn er auf dein Unterkiefer ruht, nicht ganz so hoch am Hinterhaupte, wie der von Borneo, und zwar deshalb, weil der Unterkiefer des ersteren am Gelenkkopfe niedriger ist, als der des letzteren; das Occiput selbst ist nur um 5 mm nie- driger. Im Uebrigen ist die Uebereinstimmung eine gradezu frappante- 82 Gest llsrlmf/ naturforschender Freunde. Schläfengruben sind steil gestellt; die Profillinie der Scheitel-, Stirn- und Nasenbeine zeigt eine deutliche Biegung resp. Knickung in der Gegend der Nasenbeinwurzel. Fig. 2. Fig. 2. Seitenansicht zu Fig. 1. Etwa 1 f 5 nat. Grösse. Letzteres gilt namentlich von dem Borneo- Schädel , während bei demjenigen von Java die Profillinie etwas gestreckter sich darstellt. — Bei S. barbatus ist die Hinterhauptsfläche im Ge- gensatz zu S. longirostris sehr schräg gestellt. Fig. 3. Fig. 3. Schädel eines S. barbatus rf aus Südost-Borneo. Vs uat Grösse. Sitzung vom 18. Mai 1886. 83 4. Die vordere Partie der Jochbeine springt wenig her- vor, weniger als bei den verwandten Arten; die Jochbeine selbst sind relativ niedrig. 5. Die Bildung der Eck - und Backenzähne stimmt in vielen Punkten mit Sus barbatus überein; namentlich die der Eckzähne ist sehr ähnlich, während die Backenzähne manche Abweichungen zeigen, sowohl in der Form, als auch in den Proportionen. 6. Die Unterkiefer haben eine schlanke Form; der Sym- physentheil ist trotz der Stärke der Eckzähne relativ schmal, und die Aussenfläche des Kieferknochens zeigt an derjenigen Stelle, wo das Wurzelende des Eckzahns liegt, fast gar keine Hervorragung, während Sus verrucosus, Sus celebensis und Sus philippensis Meyer in lit. l ) hier eine sehr auffallende , buckei- förmige Hervorragung sehen lassen. Indem ich übrigens auf meinen oben citirten Aufsatz im „Zoolog. Anzeiger" verweise, bemerke ich hier nur noch, dass Sus longirostris nach der Bildung der Eckzähne und manchen anderen Charakteren zusammen mit S. barbatus, S. verrucosus 2 ), S. celebensis und S. philippensis eine besondere Gruppe von Wildschweinen des malayischen Archipels bildet, welche in einem gewissen Gegensatze zu der Gruppe von S. rittatus, S. papuensis und Verwandten stehen. Innerhalb der erstgenannten Gruppe lassen sich nach der 2 ) S. philippensis ist eine von A. B. Meyer unterschiedene Wild- schwein-Art von den Philippinen, über welche, soviel ich weiss, noch nichts Genaueres publicirt wurde. Sie steht dem S. celebensis Müll. u. Schleg. sehr nahe, wie ich demnächst in einer specielleren Arbeit zeigen werde. Herr Hofrath A. B. Meyer hat mir die Untersuchung des betr., im zoolog. Museum zu Dresden vorhandenen Materials in der liberal- sten Weise gestattet, wofür ich demselben hier meinen besten Dank öffentlich ausspreche. Die nachfolgenden Angaben sind nur als vor- läufige Notizen anzusehen, welche des Vergleichs wegen schon hier mitgetheilt werden. -') Ueber die Unterschiede in dem Bau der Eckzähne, zumal der unteren, bei S. verrucosus im Gegensatz zu S. scrofa. S. vittatus etc. siehe Nathusius, „Vorstudien", pag. 181 und Rütimeyer, Verb, der naturf. Ges. in Basel, 1865 u. 1877. S. barbatus, S. longirostris, S. celebensis und S. philippensis zeigen dieselben Eigenthümlichkeiten an den Eckzäh- nen, wie S. verrucosus, und zwar noch extremer ausgebildet. 84 Gesellschaft naturforschender Freunde. Schädelforni wieder zwei Unterabtheilungen unterscheiden, von denen die eine aus S. barbatus und S. longirostris, die andere aus S. verrucosus, S. celebensis und «S. philippemis besteht. Der Grösse nach steht unter diesen Arten S. barbatus obenan, doch kommt ihm S. longirostris nahe 1 ); sodann folgt S. verrucosus mit sehr kräftigem, Potamochoerus-ähnlichem, in der Jochbogenpartie breit entwickeltem Schädel, während £. celebensis und S. philippemis als Zwergformen dieser Gruppe erscheinen, dabei aber doch eine ganz ausserordentlich kräftige Schädelbildung zeigen. Folgende Tabelle wird diese Grössenverhältnisse durch die 1. 2. 3. 4. 5. 6. Die Messungen sind Sus Sus Sus Sus Sus in Millimetern bar- batus longirostris verru- cosus cele- bensis philip- pemis rfad. rfad. cTad. ö *ad. ö*ad. rfad. angegeben. Bor- Bor- Cele- Lu- neo neo Java Java bes zou 1. Basilarlänge des Schä- dels v. Vorderrande des For. inagnum bis Spitze l der Intennaxillaria . . 450 401 405 342 260 | 259 2. Länge v. d. Mitte des Hinterhauptskammes bis Spitze d. Intermaxillaria 554 457 465 410 320 ; 315 3 Grösste Breite an den Jochbogen 184 165 168 170 143 136 4. Grösste Breite der Occi- pitalflügel 78 70 65.5 95 82 86 5. Geringste Breite zwischen den Scheitelleisten . . 27,5 4,6 4 49,5 26 30 6. Grösste Länge einer Un- terkieferhälfte .... 394 348 354 315 236 230 J ) Manche Schädel des S. barbatus (horbiaceae gehörig, von denen besonders 2 Arten kultivirt werden, eine giftige: Manihot usilissima Pohl und eine süsse, M. Aipi Pohl, während eine dritte, meist nur wild vorkommende: Manihot Glaziovi J. Müller, in ihrem Milchsaft das Ceara- Kautschuk liefert. — Manihot utilissima enthält in ihren georginenartigen Wurzeln einen giftigen Milch- saft, der aber durch Pressen der geschälten und zerriebenen Wurzeln leicht entfernt werden kann. Der zurückbleibende Brei wird entweder getrocknet und als Cassave-Mehl zur Be- reitung flacher Kuchen massenhaft benutzt oder in Wasser aufgeschlämmt und auf Stärkemehl verarbeitet. Diese Stärke führt den Namen brasilianisches Arrowroot; wird sie noch feucht auf heissen Platten oder in Kesseln halb verkleistert, so entsteht der brasilianische Sago, die „Tapioka". Oft wird sie vor dem Erhitzen durch Siebe gedrückt. 3 ) Wittmack in Verhandl. d. Bot. Vereins d. Prov. Brandenburg, XXI., 1879. Sitzungsberichte, pag. 176. Nachrichten aus dem Cluh d. Landwirthe zu Berlin, 1881, No. 115, pag. 782. Bericht d. deutschen botan. Gesellseh., 1880, pag. XXXIV. Sitzung vom 16. November 1886. 137 Der Ertrag der Manihot utilissima an Stärkemehl soll pro IJectar grösser sein als der der Kartoffeln '); die Vermehrung erfolgt sehr leicht , indem man die dicken Stengel in Stücke mit je 3 Augen schneidet und diese steckt. Die Wurzeln kann man nicht zur Vermehrung benutzen. — Wegen des grossen Ertrages ist Maniok jetzt in fast allen Tropen eine allgemein eingebürgerte Kulturpflanze, namentlich auch in Afrika; ihr Vaterland ist aber das wärmere Amerika , und findet sie sich schon in den peruanischen Gräbern. Zur Kultur ist sehr nahrhafter, nicht zu nasser Boden nothwendig. Die Natur des giftigen Saftes der Wurzel ist noch nicht genau bekannt, Blausäure, wie man früher annahm, soll er nicht enthalten. — Auffallend ist die Flüchtigkeit des Giftes ; denn eingedickt wird der Saft ohne Schaden zu verschiedenen Saucen verwendet. Fleisch, das in dem Saft gekocht, soll sich lange halten, also eine antiseptische Wirkung! — Siehe über dieses, speciell über die Saucen : Report of the Commis- sioner of Agriculture for 1881—82. Washington 1882, p. 227. Die süsse Manihot wird weniger gebaut und nur gekocht in der Art wie Rüben gegessen. Nächst Maniok ist das wichtigste Knollengewächs der Tropen die Yam oder Yams, die von verschiedenen Arten /Jioscorea gewonnen wird, D. sativa, alata, aculeata etc. Sie wird in vielen Tropen, auch in Nordbrasilien „Igname" ge- nannt, in Südbrasilien aber heisst sie Cara. Dieses Wort, in der Schreibart §ara, bezeichnet im alten Peru den Mais, „weil er das Brot ist, welches sie haben", wie Garcilasso de la Vega sagt. 2 ) Wir haben also hier einen interessanten Fall der Wort- Vertauschung. In Pernambuco versteht man nach Herrn Araüjo, Secretär der brasilianischen Gesandtschaft in Berlin, unter cara sogar noch etwas anderes, nämlich kleine a ) Eine Fläche von 220 ra im Quadrat „the square of 220 metres", also wohl 4,80 h, soll 40000 Pflanzen und 80000 Pfd. Mehl geben, mit einem Werth von 520 £ = 10400 Mark. Simmonds, Tropical agricul- ture, London, 1877, pag. 350. ~ Kartoffeln bringen die Hälfte Stärke. -) Garcilasso de la Vega , Primera parte de los commentarios realo quo tratan del origen de los Incas etc. Lisboa, 1609, pag. 276. 1 38 Gesellschaft natur/orschender Freunde. Knollen von einer Pflanze, wahrscheinlich Colocasia Antiquorum Schott var. esculenta Schott. Fast von gleicher Wichtigkeit wie Yams sind die Bata- ten, Batalas edulis Choisy, (Co?ivolvulus Batatas L.), die sogen, süssen Kartoffeln. Sie haben zusammengesetzte Stärke- körner wie der Maniok , dagegen bioscorea einfache , viel grössere. Ausser diesen bekannteren Knollen fanden sich aus Blu- menau noch mächtige rübenförmige Wurzelstöcke ohne wissen- schaftlichen Namen, wahrscheinlich Alocasia macrorrhiza Schott, unter dem Vulgär -Namen „Igname", was leicht zu Ver- wechselungen mit bioscorea Anlass giebt. Colocasia antiquo- rum und Alocasia macrorrhiza führen beide auf den Südsee- Inseln den Namen Taro. — Die betr. Wurzelknolle dient in Ulumenau nur zu Schweinefutter. Ganz neu für uns waren auf der Ausstellung die kleinen Knollen, welche Margareten oder Margaritas heissen. Es ist dies Xanthosoma sagittifolia Schott. — Nicht zu ermitteln war bis jetzt der wissenschaftliche Name für Taja (Taya?), an- scheinend auch eine Araceae. Sehr interessant waren ferner unter vielen anderen Dingen, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, Stauden der Erdnuss, Arachis hypogaea L. , mit zahlreichen, noch daran hängenden unterirdischen Früchten, deren Samen bekanntlich ein feines Speiseöl liefern, das oft zur Verfälschung des Olivenöls dient. Sitzung vom 16. November 1886. 139 Als Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen: Leopoldina, XXII., 19. — 20. October 1886. Bericht der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft, 1886. Frankfurt a. M. 63. Jahresbericht d. Schles. Gesellschaft f. vaterländ. Cultur. Breslau, 1885. Mittheilungen der naturforsch. Gesellschaft in Bern , 1885, 3. Heft. Vierteljahrsschrift der naturforsch. Gesellschaft in Zürich, XXX., 1.-4. 1885; XXX., 1. 1886. Actes de la Societe helvetique des sciences natur., reunie au Locle Compte-rendu 1884—85. Neuchätel, 1886. Compte rendu de la 68me session de la Societe Helvetique au Locle, Geneve, 1885. Proceedings of the Zoological Society of London, 1886, part III. Atti della R. Accademia dei Lincei, Rendiconti, IL, 6. — 7. 1885-86. Bolletino delle publicazioni Italiane, Firenze, 1886, No. 20. Bulletin de la Societe imper. des naturalistes de Moscou, 1886, No. 1. Correspondenzblatt des Naturforscher-Vereins zu Riga, XXIX. 1886. Carte geologique generale de la Russie d'Europe, Feuille 139. St. Petersbourg, 1886. Bulletins du comite geologique de St. Petersbourg, V., 7. — 8. 1886. Melmkow, M. , Geologische Erforschung des Verbreitungs- gebietes der Phosphorite am Dnjester. St. Petersburg, 1885. Steszel, K., Rhizodendron Opjoeliense Göpp. Breslau, 1886. Morse, E. S. , Ancient and modern methods of arrow-release, Salem (Mass.), 1885. Druck von J. F. Starck< Nr. 10. 1886. Sitzuiie-s - Bericht der Gesellschaft lmturforschender Freunde zu Berlin vom 21. December 1886. Director: Herr Waldeyek. Herr NEHRINO sprach zunächst über einen in der Gefangenschaft gezüchteten täckel-beinigen Hasen. In dem kleinen zoologischen Versuchsgarten , welcher mir auf dem Grundstücke der königl. landwirtschaftlichen Hoch- schule zur Disposition steht, und welcher durch die Fürsorge des Ministeriums für Landwirtschaft mit einem geeigneten Stallgebäude versehen worden ist, habe ich unter anderen Ver- suchen auch solche zur Zucht von „Leporiden", d. h. Bastarden von Hase (Lepus timidus aut.) und Hauskaninchen (Lepus cuniculus dorn.) in Angriff genommen. Ich zog zu diesem Zwecke mehrere junge Hasen in Gesellschaft von Kaninchen auf; daneben kaufte ich aber auch einen Hasen (tf ), welcher von einem hiesigen Decorationsmaler durch Paarung zweier jung aufgezogener Hasen in der .Gefangenschaft erzüchtet war, indem ich hoffte, dass ein solches Exemplar vorzugsweise zu der beabsichtigten Bastardzucht geeignet sein würde. Dieser im engen Gewahrsam aufgewachsene Hase war, als ich ihn (etwa um Pfingsten 1885) erhielt, ungefähr ein Jahr alt, also ausgewachsen; aber er unterschied sich von einem normalen Hasen sehr bedeutend, sowohl in der Farbe seines Haarkleides, als auch in dem Bau seines Skelettes, 10 142 Gesellschaft naturforschender Freunde. namentlich seiner Extremitätenknochen 1 ) Man würde, wenn man den Balg desselben nebst Extremitätenknochen aus dem Auslande zugesandt erhalten hätte, sicherlich eine neue Art darauf begründet haben, und zwar mit vollem Recht, falls man hätte annehmen dürfen, dass der betr. Hase ein der freien Natur entstammendes Thier sei. Es ist wirklich erstaunlich, welche bedeutenden Verände- rungen die Gefangenschaft bei manchen Säugethier- Arten zu- weilen schon in der ersten Generation hervorbringt. Ich habe dieses bei einer früheren Gelegenheit schon an den Schädeln einiger in der Gefangenschaft gezüchteter Wölfe nachgewiesen 2 ); heute kann ich Ihnen dasselbe an dem vorliegenden Skelette des oben bezeichneten Hasen demonstriren. Da ich jedoch die Absicht habe, dieses Thema an einem anderen Orte aus- führlich zu behandeln, so begnüge ich mich hier damit, auf die ausserordentlich kurze, zum Theil täckel-ähnliche Form der Extremitätenknochen hinzuweisen. Ich habe zum Vergleich einerseits die Extremitätenknochen eines nor- malen Feldhasen, andrerseits diejenigen eines schlankbeinigen Hundes und eines Täckels (Dachshundes) von entsprechenden Dimensionen mitgebracht. Die Analogie in den Formen der Extremitätenknochen (namentlich des Humerus, der Ulna und der Tibia) bei dem Stubenhasen und dem Täckel tritt sehr deutlich hervor. Besonders merkwürdig erscheint ein acce ssorischer Fortsatz, welcher sich an jedem der beiden Feinora, und zwar durchaus symmetrisch, etwa 13 mm unterhalb des zweiten Trochanter entwickelt hat. Vergl. Fig. 1, d. Ein solcher Fortsatz findet sich weder bei Lepus timklus, noch bei L. cuniculus, noch bei irgend einer anderen mir be- kannten Hasen -Art; man bemerkt an der betr. Stelle ge- wöhnlich nur eine mehr oder weniger scharf ausgeprägte Mus- kelleiste (ohne Fortsatz). Offenbar hat bei unserem „Stuben- J ) Letzteres konnte ich natürlich erst nach dein vor einiger Zeit erfolgten Tode des Thieres mit voller Deutlichkeit beobachten, wenn- gleich es auch bei Lebzeiten desselben unverkennbar war. '-') Vergl. diese Sitzungsberichte, 188-4, pag. 158 ff. Sitzung vom '21. December 1886. 143 hasen", der sich in einer eigen- thümlichen Art von Galopp fortzube- wegen pflegte , jener accessorische Fortsatz am Femur sich unter dem Einflüsse eines besonders in An- spruch genommenen Muskelstranges herausgebildet. Man könnte allenfalls daran denken, ihn als einen accesso- rischen (in diesem Falle : vierten) Trochanter aufzufassen; da er jedoch ziemlich weit abwärts sitzt, nämlich ungefähr an der Insertionsstelle des Musculus pectineus, so wird man ihn einfach als einen Processus accesso- rius zu bezeichnen haben. Die übrigen Unterschiede, welche das abgebildete Femur gegenüber dem eines der Freiheit entstammen- den Feldhasen zeigt, wird Jeder leicht erkennen, der sich die Mühe nimmt, den Vergleich genauer aus- zuführen. Ich will hier nur noch be- merken, dass die Länge eines nor- malen Hasen - Femur etwa 130 mm zu betragen pflegt. Nach meiner Ansicht kann uns die Vergleichung der Extremitäten- knochen dieses „Stubenhasen" mit denen eines Dachshundes einen Fin- gerzeig bieten, auf welche Weise wir uns die Entstehung der letzterwähnten kurz- und krummbei- nigen Hunde-Rasse zu denken haben. l ) Figur 1. Rechtes Femur des im Text besprochenen Hasen. Hinterseite, a erster, b zweiter, c dritter Tro- chanter; d accessorischer Fortsatz. — Nat. Grösse. J ) Vergl. diese Sitzungsberichte, 1885, pag. 11. — Fitzinger und nacü ihm viele Andere betrachten den Dachshund (Canü vertagus als eine besondere Species; ich bin durchaus anderer Ansicht, wie ich schon au der citirten Stelle angedeutet habe. 10* 144 Gesellschaft naturforschender Freunde. Herr NEHRING sprach ferner über Lutra brasi- liensis, Lutra paranensis , Galictis crassidens und Galer a macrodon. Auf der südamerikanischen Ausstellung, welche kürzlich hier von Seiten des Centralvereins für Handelsgeographie ver- anstaltet worden war, befand sich unter anderen Collectionen auch eine sehr reichhaltige Sammlung südbrasilianischer Säuge- thier- Schädel, welche Herr Theodor Bischoff, Lehrer zu Mundo Novo in der Provinz Rio Grande do Sul, übersandt hatte. ! ) Diese Schädel stammen sämmtlich aus Rio Grande do Sul , und zwar aus der näheren und weiteren Umgebung von Mundo Novo; sie sind von Herrn Bichoff selbst gesam- melt und präparirt worden. Ich habe ungefähr 40 Schädel aus dieser Coliection acqui- rirt, darunter auch die vorliegenden 4 Lutra - Schädel , über welche ich hier einige kurze Bemerkungen mittheilen will. Alle vier Schädel stammen von erwachsenen Exemplaren und sind sehr wohl erhalten ; einer gehört zu Lutra brasiliensis F. Cüv. , die 3 anderen mögen vorläufig als Lutra paranensis Rengg. bezeichnet werden. 1. Lutra brasiliensis F. Ccv. (Pteronura Sand- bachii Gray.) Der ersterwähnte Schädel ist ein wahres Prachtexem- plar; er stammt von einer männlichen „Arh-anha" mittleren Alters und zeigt die eigentümliche Schädelform dieser Art in ausgezeichneter Weise. Der Schnauzentheil ist kurz, schmal und für einen Otterschädel auffallend hoch (74 mm hoch incl. Unterkiefer); das vordere Nasenloch steil abgeschnitten, die Postorbital-Fortsätze nicht sehr entwickelt, die Stirn lang und sehr schmal, das Infraorbital-Loch weit, der Jochbogen hoch, die Gehirnkapsel verhältnissmässig stark gewölbt, die Par- occipital-Fortsätze bedeutend entwickelt, die Mastoid-Fortsätze seitwärts nicht sehr entwickelt, sondern nach unten mit stum- pfer Fläche endend, Bullae auditoriae relativ klein und flach, l ) Vergl. Katalog der 1886er südamerikanischen Ausstellung in Berlin, pag. 58. Sitzung vom 21. December 1886. 145 Canalis caroticus von auflallender Form und Lage '), die Hinterhauptsschuppe von 2 eigenthümlichen Canälen durch- bohrt, welche vom oberen Rande des Foramen magnum in verticaler Richtung den genannten Knochen durchziehen. Die ganze Schädelform erinnert in mancher Hinsicht an Olaria fulklandica Dksm. (Arctocephalus falklandicus Gray) 2 ), wie denn ja auch im Leben die Iriranha bei ihren Bewe- gungen im Wasser viel Robben-Aehnliches zeigt. 3 ) Das Gebiss ist äusserst kräftig. (Vergl. die nachfolgende Tabelle!) Der dritte (hinterste) Lückzahn des Unterkiefers ist, wenigstens bei diesem Exemplar, ohne accessorische Ne- benspitze am schneidigen Hinterrande der Krone; dagegen sind an seinem Basalkragen schwache Andeutungen von einer vorderen und einer hinteren Nebenspitze vorhanden. Der Schädel ist noch ein wenig grösser und kräftiger als der von Hensei, aus Süd - Brasilien mitgebrachte Ariranha- Schädel. 4 ) Er stimmt in der Form völlig überein mit dem Schädel der GRAY'schen Pteronura Sandbachü. 5 ) Ich kann daher Hensel nur beipflichten, wenn er sagt, dass „zwischen dem Schädel dieser (GRAY'schen) Art und dem der Lutra brasi- liensis F. Cüv. weder in der Gestalt, noch in der Grösse ein Unterschied vorhanden sei." Diejenige Art, welche Gray als Lutra (resp. Lontra) bra- siliensis bezeichnet, dürfte mit L. paranensis Rengg. resp. mit L. platensis Waterh. zusammenfallen. Leider herrscht in Bezug auf die Nomenclatur der brasilianischen Lutra- Arten eine grosse Verwirrung, welche wesentlich daher rührt, dass J ) Derselbe bildet zum Theil keinen geschlossenen Caual, sondern eine offene Rinne, ähnlich wie bei Enhydris marina. 2 ) Auch von dieser interessanten Robben - Art habe ich drei wohl- erhaltene Schädel (1 ^,2 9) aus der BiscHOFF'schen Collection erwor- ben. Dieselben sollen angeblich von der südbrasilianischen Küste stammen, was in thiergeographischer Hinsicht sehr bemerkenswert!) wäre. Ich habe wegen des Fundortes einen Brief an Herrn Bischöfe geschrieben und hoffe, demnächst Genaueres mittheilen zu können. 3 ) Hensel, Säugethiere Südbrasiliens, pag. 90. „Zoolog. Garten". 1869, pag. 328 ff. 4 ) Anatom. Museum in Berlin, Nr. 23000. 5 ) Vergl. Gray, Catalogue of Carnivorous etc., 1869, p. 113 ff. 146 Geseihehaft naturforschetider Freunde. man früher die Formen und Grössenverhältnisse des Schädels und des Gebisses nicht gebührend berücksichtigt hat. Ohne exacte Messungen des Schädels und des Gebisses sind aber die meisten Fischotter - Alten kaum mit einiger Sicherheit von einander zu unterscheiden, wenngleich es manche Arten giebt, welche auf den ersten Blick auch äusserlich sicher erkenn- bar sind. Im zoologischen Museum der hiesigen Universität befindet sich eine ausgestopfte, von Kappler herrührende Lutra aus Surinam (Nr. 3584); sie ist ohne Artbezeichnung, darf aber ohne allen Zweifel als ein jüngeres Exemplar der Pltronura Sandbachii Gray oder der von Prinz Wied, Wagner, Hensel u. A. als L. brasiliensis bezeichneten grossen Lutra- Art an- gesehen werden. Der zugehörige Schädel besitzt zwar noch nicht die ausgeprägten Formen des vorliegenden erwachsenen Schä- dels; aber er lässt doch alle wichtigen Charaktere bereits mit voller Deutlichkeit hervortreten. ') Besonders interessant ist der Umstand, dass an diesem jüngeren Schädel die sämmt- lichen Nähte noch unverwachsen und somit ohne Schwierigkeit zu studieren sind. Man kann hierbei feststellen, dass L. bra- siliensis F. Cüv. relativ lange, schmale, nach hinten sich stark verjüngende Nasalia besitzt, im Gegensatz zu L. paranensis, L. chilensis, L. canadensis etc. Man erkennt ferner die Form des Lacrymale und beobachtet, dass der am vorderen Orbital- rande hervortretende Höcker oder Fortsatz völlig dem Lacry- male angehört. 2 ) Ich werde auf diesen Schädel nochmals in einer anderen Publication zurückkommen. Vergl. auch die unten folgende Tabelle! 2. Lutra paranensis Rengceh. Neben der Ariranha kommt in Rio Grande do Sul eine zweite Lutra - Art vor, welche dort „Lontra" genannt wird. Herr Bischoff hat sie wissenschaftlich als Lutra paranensis bezeichnet, und ich lasse ihr vorläufig diesen Namen. Hensei, ] ) Herr Prof. v. Martens war so freundlich, mir diesen interes- santen Schädel zum genaueren Studium anzuvertrauen. '-') Ganz ähnlich bei Ovaria faWctou/vdica. Sitzung vom 21. December 1886. 147 hat die Lontra von Rio Grande do Sul mit L. platensis Watrrii. identificirt. x ) Ich selbst habe mir noch kein fer- tiges Urtheil über das Verhältniss der hier in Frage kom- menden Arten resp. Namen bilden können und behalte mir eine genauere Behandlung dieser Sache vor. Ich gebe hier nur eine kurze Charakteristik der 3 vorliegenden Schädel. Der Schädel der „Lontra" von Mundo Novo ähnelt in seiner Gesammtform derjenigen der L. canadensis ; er ist flach (niedergedrückt), kurz und breit im Schnauzentheil, mit stark entwickelten Postorbital - Fortsätzen , sehr breit an den Joch- bogen und an den Mastoid- Fortsätzen. Aber trotzdem wird das geübte Auge ihn sofort von L. canadensis unterscheiden. 2 ) Abgesehen von der etwas bedeutenderen Grösse sind gewisse Formverschiedenheiten vorhanden, welche deutlich hervortreten. Die auf der Grenze des Occiput und der Scheitelbeine sich bildende Knochenleiste ist ganz ausserordentlich entwickelt und springt dachartig weit nach hinten vor, nicht nur an den beiden alten männlichen Schädeln , sondern auch an dem jüngeren, weiblichen. 3 ) Die Gehirnkapsel zeigt sich nach vorn schmaler und sie verjüngt sich allmählicher, als bei L. cana- densis und L. chilensis ; sie erscheint überhaupt weniger rundlich, als bei letzteren Arten. Der Thränenbein-Fortsatz ist bei der „Lontra" sehr stark entwickelt, an den alten männlichen Schädeln natürlich stärker als au dem jüngeren, weiblichen. Das Gebiss zeigt kräftige, massive Formen der Zähne. Der dritte (hinterste) Lückzahn des Unterkiefers besitzt im Gegensatz zur Ariranha eine deutlich entwickelte accessorische l ) Burmeister (Descr. phys. Rep. Argent., 111., pag. 166) betrachtet L. paranensis Rengg. und L. platensis Waterh. als identisch. Jeden- falls stehen sie einander sehr nahe, während sie von /.. brasiliensis stark abweichen: '-') Die mir unterstellte Sammlung enthalt 5 Schädel der /.. cana- tfensis sowie ein vollständiges Skelet der L. chilensis, so dass ich aus- reichende Vergleichungen anstellen konnte. 3 ) Dieses dachartige Vorspringen genannter Knochenleiste habe ich bei keiner anderen Lutra- Art in gleicher Entwicklung gefunden, ob- gleich ich im hiesigen zoolog. u. anatom. Museum eine ansehnliche Zahl von Arten vergleichen konnte. 148 Gesellschaft naturforschender Freunde. Schmelzspitze x ) am Hinterrande der Zahnkrone (resp. Haupt- spitze). Namentlich die beiden Männchen lassen diese acces- sorische Schmelzspitze an dem betr. Zahne sehr deutlich er- kennen; bei dem Weibchen ist dieselbe allerdings nicht stärker entwickelt, als sie bei L. canadensis zu sein pflegt. Nach Burmeister (Descr. Rep. Arg. III. pag. 166) soll Lutra paranensis Rengger ein wenig kleiner sein als die europäische Art. Nach den vorliegenden Schädeln zu urtheilen, scheint aber die „Lontra" von Mundo Novo durchschnittlich etwas grösser als L. vulgaris zu werden , sofern man die be- treffenden Exemplare als Durchschnitts-Exemplare ansehen darf. Ich gebe die Hauptdimensiouen der obigen Z/M/ra-Schädel in nebenstehender Tabelle , in welcher auch der Schädel der nachfolgend erwähnten Gal. crassidens mit berücksichtigt ist. 3. Galictis crassidens Nehring. Von dieser schon mehrfach hier besprochenen Grison- Art 2 ) erhielt ich kürzlich durch die Vermittelung der hiesigen „Linnaea" (Dr. A. Müller) ein schönes, frisches Exemplar, d. h. Balg mit Schädel und Beinknochen. Es ist ein erwach- senes cf, welches aus der brasilianischen Provinz Sta. Catha- rina stammt und die von mir aufgestellten Artcharaktere in der ausgezeichnetsten Weise erkennen lässt. Die weisse Earbe der Haarspitzen tritt sehr stark hervor; auch die Bauchseite zeigt auffallend viele weissspitzige Grannenhaare. Ich habe zum Vergleich 2 Bälge von ausgewachsenen Exemplaren der G. vittata Bell mitgebracht; der eine (0*) stammt aus der Gegend von Bahia, der andere (2) aus der Gegend von Piracicaba. 3 ) Ein Vergleich zeigt die wesentlichen a ) In diesem Punkte scheint freilich eine gewisse Variabilität zu herrschen; der Ariranha-SchMel von Surinam, sowie derjenige Hensel 's zeigt an dem betr. Zahne eine Andeutung jener accessorischen Spitze, während der Ariranha - Schädel von Mundo Novo trotz der intacten Beschaffenheit seiner Zähne dieselbe nicht erkennen lässt. ») Vergl. diese Sitzungsberichte, 1885, pag. 167 175; 1886, p. 43 — 55, p. 95-100. 3 ) Dieser Balg gehört zu den zahlreichen zoologischen Objecten, welche mein Bruder Carl als Mitglied der Ausstellungs-Commission von Piracicaba (Prov. S. Paulo) zu der oben erwähnten südamerikanischen Ausstellung eingesandt hatte. Vergl. den Katalog, pag. 75. Sitzung vom 21. December 1886. 149 Dio Dimensionen sind in Mi metern angegeben. /.. hnisilii nsis Mundo' Suri- Novo nam ad. jun. /.- paranenm, Mundo Novo rf ad.